Zieh Dir mal ein Buch! Der Buchomat im Offenbacher Klingspor Museum

Im Offenbacher Klingspor Museum steht ein ulkiger, scheinbar aus der Zeit gefallener, kleiner Automat, der das Herz eines jeden Buchfreundes höher schlagen lässt – der Buchomat. Mit einem Fünfmarkstück* kann man sich hier eins der drei zur Wahl stehenden Bücher „ziehen“.

Zu seiner Entstehung kam es so: In den 1990er Jahren hatte der Künstler Jürgen Wölbing den Wunsch, Künstlerbücher für „Einsteiger“ herauszugeben. In einem kleinen Querformat entstanden von Künstlern konzipierte Bücher, im Grunde kleine Kunstwerke in Buchform, mit originalgrafischer Ausstattung zu einem kleinen Preis.  Um die besonderen Bücher ebenfalls auf eine besondere Art und Weise anzubieten, wurde ein Automat gebaut, der Buchomat. Im September 2015 hat er im Klingspor Museum ein neues zu Hause gefunden.Buchomat_Offenbach

Das 1953 eröffnete Klingspor Museum in Offenbach ist ein Sammlungs- und Ausstellungsort der internationalen Buch- und Schriftkunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Das Museum sammelt Exponate aus den Bereichen Kalligrafie, Schriftprobe, Illustration, Bilderbuch, Bucheinband, Künstlerbuch, Grafikdesign und Plakat von 1900 bis zur Gegenwart und bietet wechselnde Ausstellungen an. Den Grundstock des Museums bildete die Privatsammlung von Karl Klingspor (1868-1950), der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Offenbach mit seinem Bruder eine Schriftgießerei betrieb.

Aktuell kann man im Museum die 60. internationale Kinderbuchausstellung „Kinderwelten“ bewundern. Ein interessanter kultureller Ort in Offenbach, der definitiv einen Besuch Wert ist und das nicht nur wegen des Buchomaten. Aber auch.

*Ein Fünfmarkstück für den Automaten ist an der Museumskasse gegen 10 Euro erhältlich.

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Auf Tuchfühlung im MMK2. Ist das Kunst oder kann ich das anziehen?

Vermutlich assoziieren die Wenigsten mit dem Begriff Mode als Allererstes ein Museum. So auch ich nicht. Die Verbindung von beidem ist aber keineswegs so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, denn die Grenzen zwischen Mode und Kunst können fließend sein. Es mag spontan etwas kühn erscheinen ein Kleidungsstück in den Stand des Kunstobjekts zu erheben – andererseits reicht ein Blick auf manche extravagante Kreation der Haute Couture, um auch als Nicht-Experte beobachten zu können, dass Mode und Kunst nur allzu gerne miteinander flirten und ein sehr explosives Paar abgeben können. Um die Verschmelzung von Mode und Kunst geht es auch in der aktuellen Ausstellung „Tuchfühlung“ des MMK2, die Arbeiten des Berliner Modedesigners Kostas Murkudis zeigt und diese in den Dialog mit Werken anderer Künstler der MMK Sammlung stellt.

Kleider_Murkudis_MMK2MMK2 – neuer Stern am Frankfurter Museumshimmel
Für alle, die es eventuell noch nicht kennen: Das MMK2 ist eine noch relativ junge Dependance des Frankfurter Museums fürs Moderne Kunst im TaunusTurm. Im Herbst 2014 wurde sie inmitten des Frankfurter Bankenviertels eröffnet und gilt als das erste Museum Deutschlands, dass in einem Bürohochhaus seine Heimat gefunden hat. Durch die Erweiterung hat das Museum rund 2.000 zusätzliche Quadratmeter erhalten, um seine umfangreiche Sammlung der Gegenwartskunst zu präsentieren und darf diese sogar für 15 Jahre miet- und nebenkostenfrei nutzen.TaunusTurm_MMK2

Blog-Camp des MMK2
Ende letzten Jahres hatte ich im Rahmen des ersten Blog-Camps des MMK2 die Gelegenheit an einer Führung durch die Ausstellung „Tuchfühlung“ teilzunehmen. Schon länger hatte ich große Lust der „kleinen Schwester“ des MMK einen ersten Besuch abzustatten und freute mich wirklich sehr über die Einladung zu dem Blogger-Get-Together, dass ein spannendes Programm versprach. Wie sich herausstellte, wurde das halbtägige Event, das ganz im Zeichen von Mode und Kunst stand, nicht nur zur perfekten Gelegenheit, um das MMK2 und seine Ausstellung näher kennenzulernen, sondern auch andere Bloggerinnen und Blogger, die über Frankfurt und/oder Mode berichten. (Fand ich großartig!)

Murkudis_MMK2

Führung durch die Ausstellung „Tuchfühlung“
Der stellvertretende Direktor des MMK und Kurator der Ausstellung „Tuchfühlung“, Peter Gorschlüter, führte uns exklusiv durch die großzügigen Räume und verriet uns dabei mehr über Kostas Murkudis und die Geschichte seiner modisch-künstlerischen Exponate. Murkudis zählt zu den einflussreichsten Modedesignern Deutschlands und ist ein „Grenzgänger“, der zwischen Mode und bildender Kunst wandelt. Sein Schaffen bewegt sich zwischen künstlerisch-freien und kommerziellen Arbeiten für Mode und Industrie.
In den vergangen Jahren entwarf Murkudis seine eigenen Kollektionen ausschließlich als Einzelteile – Originale, losgelöst von den Vermarktungs- und Produktionsbedingungen der Modeindustrie. Dazu gehören zum Beispiel skulpturale Kleider aus spröden Materialen wie Bast, Rosshaar und Kunstleder. Der Ausstellungsparcour besteht aus insgesamt 14 Stationen, die sich jeweils unterschiedlichen Aspekten im Werk des Designers widmen. Dazu gehören Kleidungsstücke, Backstage-Fotografien von Modenschauen, Film- und Soundinstallationen sowie Einblicke in den Prozess der Ideenfindung. Dabei hat Murkudis immer Verbindungen zwischen seinen Entwürfen und Arbeiten anderer Künstler aus der Sammlung des MMK gezogen (wie z. B. Yves Klein).
Für mich ist es eine sehenswerte Ausstellung, die mich sowohl herausgefordert als auch in ihren Bann gezogen hat. Noch bis zum 14. Februar 2016 kann man im MMK2 auf „Tuchfühlung“ mit Murkudis Werken gehen.

MMK2_Murkudis_Tuchfühlung

Diskussionsrunde und Besuch des Stilblütenfestivals
Nach einer leidenschaftlich geführten Diskussionsrunde im museumseigenen „Café Elaine” indem es um die Begeisterung und Motivation fürs Bloggen, die Möglichkeiten und Wünsche der Zusammenarbeit von Bloggern und Kulturinstitutionen und das eigene Selbstverständnis als Blogger ging, unternahmen wir einen kleinen Standortwechsel. Den krönenden Abschluss des Tages bildete nämlich der Besuch des Frankfurter Stilblütenfestivals, das nun bereits zum zehnten Mal veranstaltet wurde und sich zur Aufgabe gemacht hat ungewöhnliche Mode und Designs abseits von großen Ketten zu zeigen. Präsentiert wurden die kleinen und großen Kostbarkeiten (alias „Stilblüten“) vor Ort übrigens von den Machern selbst. Da ich ein Fan der Mode der 50er Jahre bin, war ich sehr angetan von den zauberhaften Kleidern des Labels Gracy Q.
Weitere eher frankfurtlastige Highlights waren für mich persönlich der Stand von Stoff aus Frankfurt und der von Goodfellers/100. Katrin Feller, die Besitzerin des süßen Laden 100 (auf der Friedberger Landstraße 100) sucht auf Flohmärkten, Hinterhöfen und der Straße besondere Gegenstände und gestaltet sie neu. Aus alten Büchern, Tüten, Papieren werden Kalender, Taschen, Notizbücher. Jedes einzelne davon ein handgefertigtes Unikat. Sofort stach mir eine alte Postkarte ins Auge, die durch den ausgestanzten Spruch „Zum Glück bin ich in Frankfurt“ zum neuen Leben erweckt wurde.
Am Ende des aufregenden Tages voller neuer netter Bekanntschaften, Kunst, Mode, Inspiration und Entdeckungen saß ich in der Bahn und dachte so bei mir: Stimmt. Zum Glück bin ich in Frankfurt.

Stilblütenfestival 2015Vielen Dank an das Team des MMK2 und des Stilblütenfestivals für die Gastfreundschaft und die Einladung. Hier noch ein Erinnerungsfoto:MMK2 BlogCamp 2015Wer noch Lesehunger hat, ist natürlich wärmstens eingeladen noch länger auf meinem Blog zu verweilen – oder die vielfältigen Blogs der anderen TeilnehmerInnen zu erkunden. Ich kann es nur empfehlen. Et voilà:

http://www.hallofrankfurt.de
http://www.nochsoeiner.wordpress.com
http://www.femme-noble.de
http://www.greenpinkorange.com
http://www.habitsmag.com
http://www.oceanbluestyle.blogspot.de
http://www.so-nur-in-frankfurt.blogspot.de
http://www.null-sechs-neun.de
http://www.mymainhattan.com
http://www.wtf-ivikivi.de/
http://www.fashionfreakwithheart.com/

Und auch das Museum bloggt: MMK Notes hat dem Bloggertag hier eine „Notiz“ gewidmet.

Stilblütenfestival 2015_2