Paul Auster in Frankfurt oder Im Irrgarten von „4 3 2 1“

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Es war eine kalte Nacht im Februar im Frankfurter Nordend. Kurz vor Mitternacht schälte ich mich aus meinem Bett und warf mein Laptop an – ich hatte eine Mission. Ich wollte Tickets kaufen, aber nicht etwa für eine meiner Lieblingsbands, sondern für eine Lesung mit Paul Auster, dem genialen amerikanischen Schriftsteller, der am 15. März 2017 im Frankfurter Schauspielhaus sein Opus magnum „4 3 2 1“ präsentieren sollte. Ich wusste, der Vorverkauf würde um Punkt Mitternacht beginnen, für einen Moment erschien mir meine ganze Aktion ein wenig nerdhaft und das war sie im Grunde auch – aber auch ziemlich schlau, wie sich rausstellen sollte. Denn ein paar Tage später hörte ich im Radio, das die Tickets für Austers Lesung in Frankfurt innerhalb von Minuten ausverkauft gewesen waren und im Internet teilweise inzwischen zu horrenden Preisen verkauft wurden. Meins hat genau 24,- Euro gekostet und ich würde es für nichts in der Welt hergeben. Das stand fest.

Über das Buch „4 3 2 1“

„4 3 2 1“ stellt die Frage: „Was wäre wenn?“ und erzählt von vier unterschiedlichen Varianten des Lebens eines Mannes bis er ca. Mitte 20 ist (oder jünger). Im Mittelpunkt der Handlung steht Archie Ferguson, der im Amerika der 50er und 60er Jahre aufwächst, zu der gleichen Zeit, wie der inzwischen über 70-jährige Paul Auster. Über 1.200 Seiten hat dieses im doppelten Sinne große Buch und… obwohl ich das beim Kauf in der Buchhandlung noch nicht ganz geglaubt habe, keine Seite ist zu viel. Der Ausgangspunkt Archies ist immer gleich und wird im Kapitel 1.0 geschildert. Die Vorgeschichte seiner Großeltern und seiner Eltern ist unverändert und gilt für alle „Fergusons“. Das Kapitel endet mit der Geburt Archies und den Zeilen: „Ferguson war zur Welt gekommen, und für einige Sekunden nach dem Austritt aus dem Leib seiner Mutter war er der jüngste Mensch auf Erden.“ Das daraufhin folgende Gedankenspiel rund um Zufälle, die persönliche Suche nach Glück und Zeitgeschichte ist eine anregende und inspirierende Lektüre, die mich begeistert hat. So viel vorab.

Warum ich das Buch ein bisschen anders gelesen habe und es nicht bereut habe

Allerdings war für mich, die vom Autor intendierte Anordnung der Kapitel nicht – sagen wir – „lesefreundlich“ genug. Denn es wird nicht ein Leben nach dem anderen erzählt, sondern vier Leben werden in einzelne Phasen/Kapitel unterteilt und dann versetzt eingefügt, nach 1.1 (erste Phase des ersten Lebens) kommt 1.2 (erste Phase des zweiten Lebens), dann 1.3 (drittes Leben), dann 1.4, dann 2.1, 2.2 etc. Da Fergusons Anlagen jedoch die gleichen sind (er liebt Baseball, er interessiert sich für das Schreiben, er empfindet großes Verlangen nach Nähe und Sex) und es eher um bestimmte einschneidende Ereignisse, Feinheiten und Zufälle geht, die schließlich bewirken, dass er jeweils ganz unterschiedliche Lebenswege einschlägt, kam ich zugegebenermaßen zu Beginn immer wieder durcheinander, in welchen Leben nun was vorgefallen ist. Erschwerend kam hinzu, dass ich nur alle paar Tage zum Lesen kam und mir somit Notizen machen musste, um mir die Unterschiede zu merken. Es war als würde ich vier Bücher parallel lesen, bei denen die Figuren jedoch die gleichen Namen trugen.

Also entschied ich mich kurzerhand, dieses fabelhafte Buch anders zu lesen. Ein Leben nach dem anderen. Ich hüpfte von Kapitel 1.1 zu 2.1, dann zu 3.1, usw. So wie ich es wollte, nicht so wie Paul Auster es vorgesehen hat. Ich habe es nicht bereut, denn das gab mir die Möglichkeit mich auf die vier Leben der vier Fergusons, auf eins nach dem anderen, voll und ganz einzulassen und ich bin mir sicher, dass es mein Lesevergnügen nicht geschmälert, sondern nur erleichtert hat, auch wenn ich die Intention hinter der Idee des Autors verstehe. Ich höre schon empörte Schreie. „Lesefreundlichkeit“ bei Literatur! Abstrus! Ein Buch anders lesen als vom Autor vorgesehen! Pah. Sakrileg.

Zur Erklärung möchte ich sagen, dass ich dieses Buch schon nach wenigen Seiten liebte, ich wollte mich weder „durchkämpfen“, noch die Lektüre auf später verschieben, bis ich mehr Zeit hätte und mich voll und ganz auf die versetzte Art des Erzählens konzentrieren konnte. Die Idee des Buches bewegte mich zutiefst, denn auch ich habe schon oft gedanklich, wie sicher so viele, dass „Was-wäre-wenn-Gedankenkarussell“ durchlaufen und der Stil von Auster, seine Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen zog mich sofort in den Bann. Ich wollte dieses Buch lesen und wusste so würde es für mich besser „funktionieren“. Und so wie ich der festen Überzeugung bin, dass ein Autor selbstverständlich alle Freiheit hat, ein Buch so zu gestalten wie er es möchte, spreche ich dieses Recht im puncto Leseprozess auch dem Leser zu. Lest wie ihr wollt, aber lest. Falls es also jemandem ähnlich geht und er bei diesem Buch nicht richtig „reinkommt“ obwohl es ihm gefällt, empfehle ich diese alternative Rezeptionsart. Denn inhaltlich kann man diesen wundervollen, berührenden und tiefsinnigen Betrachtungen der vier Leben ohne Probleme folgen. Paul Auster ist schließlich ein Meistererzähler.

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Über die Lesung: Paul Auster im Schauspielhaus Frankfurt

Nun wären wir also beim 15. März 2017 angekommen, dem Abend der Lesung. Ich gehe gerne und oft zu Lesungen, aber bei dieser lang eine besondere Spannung in der Luft als das gebannte Publikum im Saal des Schauspielhauses den großen Literaten Auster die Bühne betreten sah und fasziniert jeder seiner Antworten und der tiefen Stimme mit dem angenehmen Klang lauschte. Das mag pathetisch klingen und doch glaube ich, dass so mancher Anwesende es ebenso empfunden hat: Dieser Abend zählt. Fotos waren nicht erlaubt, was jedem die Möglichkeit lässt die Stimmung lediglich in seiner Erinnerung neu zu erleben. Mir gefiel das, da ich mich so voll und ganz auf die Lesung konzentrieren konnte.

Was diese besondere Atmosphäre an dem Abend auslöste, kann ich nur vermuten. Sicher hatte es mit dem einnehmenden Charisma des Autors zu tun, vielleicht auch mit der nicht so abwegigen Annahme, dass dies vielleicht die einzige Gelegenheit im Leben so manchen Fans sein würde, ihn tatsächlich zu „erleben“. Vielleicht war da auch noch mehr. Aufs Autobiographische ließ sich der Autor übrigens nicht festlegen. Im Gespräch mit Daniel Haas von der ZEIT,  beteuerte er das die vier Fergusons nicht er selbst seien und zitierte seine Frau Siri Hustvedt, der das Buch auch gewidmet ist: Schreiben sei die Erinnerung an Dinge die niemals stattgefunden haben. Der Roman „4 3 2 1“ sei zudem kein One-Night-Stand und keine Ehe, erwähnte Auster  – sondern eine lange Affäre.

Ich habe die Affäre mit dem Buch sehr genossen und darin auch viele interessante Zitate anderer Künstler und Intellektueller entdeckt. Eins das mich besonders beeindruckt hat, ist von Kenneth Rexroth (S. 696). Es lautet: „Gegen die Zerstörung der Welt gibt es nur eine Verteidigung: den kreativen Akt.“ Ein Satz wie ein Lichtblitz. Ich finde das kann man sich guten Gewissens als Leitgedanken ins Herz tätowieren.

4 3 2 1
von Paul Auster (Aus dem Englischen von Thomas Gunkel, Werner Schmitz, Karsten Singelmann und Nikolaus Stingl)
Rowohlt, Januar 2017
1259 Seiten
Hardcover
€ 29,95

Goodbye, British Bookshop!

Seit 1956 existiert der British Bookshop in Frankfurt. Jetzt, im Jahr seines 60-jährigen Jubiläums, schießt der Laden in der Börsenstraße 17. Frankfurts Institution für englischsprachige Literatur hat nur noch bis zum Freitag, dem 12. Februar geöffnet und verkauft seine übriggebliebenen Papierschätze nun für 2 bis 5 Euro. Als Grund werden auf der Homepage umfassende Renovierungsarbeiten an dem Gebäude, in dem sich der Bookshop befindet, genannt. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt jedoch, denn dort heißt es auch, sollte man eine andere Location finden, könnte es mit dem British Bookshop eventuell weitergehen. Ich drücke die Daumen. Ohne diesen gemütlichen Laden, der sich das Motto „Your Independent Choice“ auf die Fahne geschrieben hat, wird Frankfurt ein Stück Kulturleben fehlen.

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Ich kann es mir auch nicht verkneifen an dieser Stelle eine Lanze zu brechen für all die kleinen, wundervollen, inhabergeführten Buchhandlungen, die eine eigene Persönlichkeit, eine eigene Geschichte haben. Zu den schönsten Dingen im Leben gehört es für mich in genau diesen Buchhandlungen in Frankfurt und dem Rest der Welt die Zeit zu vergessen, in Literatur abzutauchen, nur um den Laden irgendwann breit lächelnd mit neuen „Entdeckungen“ zu verlassen. Damit das auch so bleiben kann, finde ich es so wichtig den (lokalen) Indie-Buchhandel zu unterstützen und Bücher nicht – oder so wenig wie möglich – online zu bestellen, was tatsächlich für mich persönlich überhaupt kein Opfer darstellt. Ganz im Gegenteil. Wenn ich in meiner Stammbuchhandlung Schutt ein Buch bestelle (per E-Mail, Telefon, App, persönlich) ist es in der Regel am nächsten Tag ab 10 Uhr da. Ich kann es dann in den nächsten Tagen abholen, wann immer es mir passt und muss nicht bei der Post oder einer Packstation dafür anstehen – nein, stattdessen statte ich dem gemütlichen Büchermeer einen kleinen Besuch ab und führe einen netten Plausch mit den Buchhändlerinnen.

Schild_British Bookshop
Viele Menschen meinen ihre hübsche Buchhandlung um die Ecke kann sich „auch so“ halten. Was macht es da schon, dass man aus Bequemlichkeit online beim üblichen Verdächtigen bestellt? Aber da leider sehr viele so denken, sterben die kleinen Buchhandlungen weiter aus und das empfinde ich wirklich als großen Verlust. Denn ein Stadtbild ohne sie wäre – sicher nicht nur für mich – ein unglaublich trauriges Szenario. Deshalb, liebe Bücherfreunde – es ist so leicht: Support your indie bookstore. ❤ Einfach so oft es eben geht.

Anne Frank in Frankfurt. „Wenn du jetzt bei mir wärst“ von Waldtraut Lewin

Wenn du jetzt bei mir wärst_Waldtraut Lewin

„Früher wohnten wir in Frankfurt …“ so beginnt ein Eintrag von Anne Frank in ihrem Tagebuch. Die Frankfurter Wurzeln der Familie Frank reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der Aufstieg der Nationalsozialisten zwang die Familie Frank zur Emigration. Otto Frank, Annes Vater, ging mit seiner Familie nach Amsterdam als Anne 4 Jahre alt war.

Frankfurt liest ein Buch: „Grüße und Küsse an alle“
Im Rahmen der Aktion „Frankfurt liest ein Buch“ stand dieses Jahr im April – zum 70. Todestag von Anne Frank – die Geschichte ihrer deutsch-jüdischen Familie im Mittelpunkt des Frankfurter Stadtgeschehens. Mehr als 12.000 Menschen waren bei fast 100 Veranstaltungen dabei, bei denen das Buch „Grüße und Küsse an alle. Die Geschichte der Familie von Anne Frank“ von Mirjam Pressler und Gerti Elias zum Dreh und Angelpunkt wurde – von Lesungen, Gesprächsrunden, Stadtführungen und Ausstellungen.

Familie Frank Zentrum in Frankfurt
Im Jahr 2012 hat das Jüdische Museum der Stadt Frankfurt außerdem in Zusammenarbeit mit dem Anne Frank Fonds Basel das Familie Frank Zentrum als einen neuen zentralen Schwerpunkt des Hauses begründet. Das Archiv des Familie Frank Zentrums verwahrt Fotografien und Dokumente der Familie. Die Sammlung hingegen ist im Aufbau und konzentriert sich auf Gegenstände der Familie, die etwas über die bürgerliche Kultur von Frankfurter Juden in der Vergangenheit aussagen. Die Bestände des Familie Frank Zentrums werden im großen Umfang erst nach dem Umbau und der Erweiterung des Jüdischen Museums in dessen Dauerausstellung zu sehen sein. Die Eröffnung des Neubaus ist für 2017 geplant. Es findet also eine Art Rückkehr der Familie Frank nach Frankfurt statt – zumindest in Form des Erinnerns.

Waldtraut Lewin: „Wenn du jetzt bei mir wärst. Eine Annäherung an Anne Frank“
In dem Buch, das ich Dir heute vorstellen möchte, geht es ebenfalls unter anderem um die Rückkehr von Anne Frank nach Frankfurt. Keine Rückkehr in Erinnerungen, sondern eine ganz und gar echte Rückkehr – die eines Mädchens aus Fleisch und Blut: Anne Frank. Eines Mädchens, das 70 Jahre nach ihrem Tod ihre alte und so sehr veränderte Geburtsstadt wiederbesucht, am Main mit dem Fahrrad entlangradelt und über die Wolkenkratzer staunt. Wie das geht? Mit der Kraft der Fantasie.

Waldtraut Lewin wagt in ihrem Jugendbuch „Wenn du jetzt bei mir wärst“, dass dieses Jahr bei cbj erschienen ist, ein Gedankenexperiment der besonderen Art und haucht Anne wieder Leben ein. Sie lässt Anne ausbrechen, staunen und ein Leben nachholen, dass in der Realität ein viel zu frühes Ende nahm. Waldtraut Lewin stellt sich in ihrem Buch die Frage: Was würde Anne Frank sagen, wenn sie die Welt von heute erleben könnte? Wenn sie erfahren würde, dass Hitler den Krieg verloren hat und Juden frei leben können. Sie nimmt Anne mit auf eine Reise von Amsterdam nach Frankfurt und schließlich nach Israel und zeigt ihr in dieser fiktiven Begegnung die heutige Welt. Aber fangen wir ganz von vorne an …

Die Handlung
Alles beginnt in dem Haus in der Prinsengracht in Amsterdam, in dem Anne Frank sich mit ihrer Familie zwei Jahre lang vor den Nazis verstecken konnte und dort Tagebuch führte. Die Ich-Erzählerin der Geschichte, die sich selbst Corelli nennt, steift durch das heutige Museum und Dokumentationszentrum im Hinterhaus und denkt an Anne. Es ist der 12. Mai 2014. Heute wäre Anne Frank 85 Jahre alt geworden. Plötzlich begegnet Corelli einem Mädchen. Einem ganz besonderen 14-jährigen und zugleich 85-jährigen Mädchen namens Anne Frank, das seit Jahrzehnten durch die Räume „geistert“, alles immer wieder erlebt und sich darüber empört zu einer Ikone erstarrt zu sein. „Ich bin kein Phantom, kein Idol, kein … kein Stück Lehrmaterial über das Schicksal der Juden während der Nazizeit! […] Ich will leben! Leben“, erklärt Anne leidenschaftlich. Corelli versteht sie bestens und nimmt sie mit – nach Draußen, ins Leben, auf eine Reise.
Anne tanzt, küsst, rennt, benutzt ein Handy, erfährt, was das Internet ist, stopft sich mit Leckereien voll und stellt Fragen. Viele Fragen. Wichtige Fragen. Was passierte mit den überlebenden Juden nach dem Ende des Krieges? Was ist der Staat Israel? Wie ist er entstanden? Gibt es immer noch Antisemitismus? Corelli lässt den Wissensdurst Annes und des Lesers nicht ins Leere laufen.

Anne Frank in Frankfurt
Anne möchte daraufhin Israel hautnah kennenlernen. Mit einem gefälschten Pass soll die Reise gelingen. Doch zuvor schlägt Corelli Anne vor einen Zwischenhalt in Frankfurt am Main einzulegen: „Ich will dir deine Geburtsstadt zeigen! Eine Stadt, die für die deutschen Juden immer eine große Bedeutung gehabt hat. Die Stadt, aus der du stammst.“ Anne lässt sich darauf ein und ist verblüfft. Soll diese Stadt mit ihren Hochhäusern Frankfurt sein? Überhaupt Europa sein? Oder sind sie durch einen Trick in Amerika gelandet?

Corelli erzählt Anne von der langen jüdischen Geschichte der Stadt, von 7.000 Juden, die hier inzwischen wieder leben, von der Familie Rothschild und ihrer eigenen Familie, von dem Jüdischen Museum und dem Familie Frank Zentrum, das im Aufbau ist: „Es gibt einen Zweig deiner Familie in der Schweiz. Da ist ein Cousin von dir. Buddy Elias. Er hat alle möglichen Schätze gesammelt und aufbewahrt. Gemälde und Fotografien, Familienbriefe, Dokumente und vor allem wunderbare Gegenstände, Porzellan und geschliffene Gläser, Vasen, Uhren, sogar Schmuck. Alles das Zeugnisse deiner Vorfahren, der Franks aus Frankfurt.“ Anne ist begeistert von der Idee und zugleich enttäuscht, dass sie das Zentrum noch nicht besichtigen kann, um mehr über ihre Familiengeschichte zu erfahren.

Doch die Stadt gefällt ihr. Am Mainufer stellt Anne träumerisch fest: „Von hier aus gesehen, von hier aus, wo man atmen kann und die Weite spürt, ist diese Stadt, sind diese Häuser wie aus einem Märchen. Amsterdam ist eng. Dies hier ist eng und weit zugleich.“

Gemeinsam besuchen sie den Jüdischen Friedhof in Frankfurt und Corelli erklärt Anne, was es mit den Steinen des Gedenkens auf den Gräbern auf sich hat. Anne ist bewegt: „Ich war noch nie auf einem Judenfriedhof. […] Ich wusste nicht … die christlichen Friedhöfe sind so … anders. Diese Platten, diese Enge. Das Volk, das sich zusammenschließt, um es den Feinden schwerer zu machen.“ Und genau an diesem Ort der Stille sieht sich Anne von Angesicht zu Angesicht mit Antisemitismus in der Gegenwart konfrontiert. Springerstiefeln. Hass. Und wehrt sich …

Ein ungewöhnlicher, neuer Ansatz zur Annäherung.
„Wenn du jetzt bei mir wärst“ ist ein gelungenes Buch, das ich mit großem Interesse gelesen habe. Waldtraut Lewin, eine der wichtigsten deutschen Stimmen für jüdische Themen im Jugendbuch, hat es geschafft, einen ganz eigenen und neuen Ansatz zu finden, um Lesern, die Person Anne Frank und die jüdische Geschichte näherzubringen.

Ein Buch, das sich nicht vor der Beantwortung schwieriger Fragen drückt, sondern (jugendlichen) Lesern aufrichtige und differenzierte Antworten geben möchte und zugleich dazu einlädt – wie Anne – nicht mit dem Fragen aufzuhören. Ich finde es spannend, dass Waldtraut Lewin sich in dem Buch vor allem zur Aufgabe gemacht hat, der jungen Anne (und den Lesern) die Entwicklungen nach dem Krieg aufzuzeigen. Ein Buch, das die positiven Errungenschaften betont ohne die schrecklichen Anfeindungen, dass es auch heute noch gibt, auszusparen.

„Wenn du jetzt bei mir wärst“ lässt eine neue Art der Begegnung zwischen Anne und den Lesern zu und bietet unter anderem und ganz nebenbei auch interessante Einblicke auf das jüdische Leben in Frankfurt.

Wenn du jetzt bei mir wärst. Eine Annäherung an Anne Frank
Waldtraut Lewin
cbj, Februar 2015
224 Seiten
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, € 16,99

Das Buch wurde mir freundlicherweise kostenlos vom cbj-Verlag zur Verfügung gestellt. Der Beitrag spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.

Frankfurt meets Japan. Nippon Connection 2015.

Nicht zuletzt durch die Lektüre von Haruki Murakami habe ich ein großes Interesse für Japan entwickelt. Jedes Jahr aufs Neue freue ich mich daher auf die Nippon Connection in Frankfurt. Das größte japanische Filmfestival weltweit, das komplett ehrenamtlich organisiert wird, findet dieses Jahr bereits zum fünfzehnten Mal in Folge statt. Gestern ging es los! Bis zum Sonntag, dem 7. Juni kann man an verschiedenen Locations (z.B. Mousonturm, Naxoshalle, Mal Seh’n Kino) japanische Filmkultur und leckeres Sushi genießen, an einer Teezeremonie oder einem Origami-Workshop teilnehmen, in der Spielhöhle an einer Konsole zocken und so vieles mehr. Hier findest Du alle Infos zu dem abwechslungsreichen Programm. Mein Tipp: Unbedingt hingehen!Nippon Connection_Fahrrad

Zitate zu Frankfurt. Mainhattan vs. Manhattan.

Zitate zu FrankfurtEs gibt Menschen –Heimatkunde Michael Herl allerdings meines Wissens nach, nicht sehr viele – die Frankfurt gerne als „Mainhattan“ bezeichnen. Natürlich liegt es an der Skyline, die in dieser Form keine andere deutsche Stadt vorweisen kann. Dennoch – die wortspielerische Anlehnung an New York City  ist ein bisschen zu viel der Ehre für das kleine Metropölchen am Main. „Mainhattan“ ist eben nicht Manhattan. Da kann man sich nichts schön reden. Macht nichts. Denn Frankfurt ist auf seine Art liebenswert. Warum, beschreibt zum Beispiel sehr unterhaltsam Michael Herl in seinem Buch „Heimatkunde Frankfurt“. Eins meiner Lieblingsbücher zu meiner Wahlheimat. Daraus stammt auch das nächste Zitat zu Frankfurt, dass ich gerne teilen möchte. Bitteschön:

„Wenn Sinatra über New York sang, dass diese Stadt niemals schlafe, so gilt das für Frankfurt ganz und gar nicht. Frankfurt pennt gerne und viel. Doch wenn man es wachküßt, dann geht es ab. Man muß halt wissen wie. Frankfurt muss man tausendmal berühren, bis es irgendwann ‚Zoom‘ macht.“ (Michael Herl)

Mehr Zitate zu Frankfurt gibt es jede Woche auf meiner Facebook-Seite.

Zitate zu Frankfurt. Neue Rubrik.

Zitate zu FrankfurtDas ich Frankfurt mag, ist kein Geheimnis. Immer wieder lese ich Bücher über die große-kleine Stadt am Main, als wären es Biografien meiner Lieblingskünstlerin – einer komplizierten, schwierigen und doch großartigen und facettenreichen Diva – von der ich gar nicht genug in Erfahrung bringen kann. Dabei entdecke ich oft tolle Zitate, die ich originell, treffend oder einfach nur lustig finde. Wenn ich kein Bleistift zur Hand habe zum Anstreichen oder mir das Zitat nicht irgendwo notiere, sind all die kleinen dichterischen „Oden“ an Frankfurt für mich ruck-zuck wieder verloren. Aber das soll sich jetzt ändern. Ich habe mir ein kleines Notizbuch zugelegt, in dem ich von nun an all die gefunden Zitate zum Thema Frankfurt sammeln möchte. Für wen? Für mich – aber natürlich auch für Dich! Ich möchte von nun an möglichst jede Woche ein Frankfurt-Zitat  auf meiner Facebook-Seite teilen, dass mir zugefolgen ist.

Den Anfang macht ein Zitat von Jochen Till, der in Sulzbach wohnt und wunderbare Kinder- und Jugendbücher schreibt. Eins meiner Lieblingsbücher von ihm heißt „Der Junge Sonnenschein“, ist sein Debütroman und spielt in Frankfurt. Vor einigen Jahren hatte ich das Glück den sympathischen Autor zu interviewen. Den Beitrag dazu kannst Du hier nachlesen, wenn Du möchtest (Presse / Journal Frankfurt, 2010). Das folgende Zitat stammt aus dem zweiten Teil seines Jugendbuches „Charlie & Leo“, dass ich nicht nur sehr gerne gelesen sondern auch angeschaut habe, da es toll illustriert ist. Aber jetzt zurück zu der neuen Rubrik. Hier kommt Zitat Nr. 1:

„Frankfurt ist sozusagen der Charlie Brown unter den Großstädten – durchaus liebenswert, aber eben erst auf den zweiten Blick.“ (Jochen Till)

Wenn Du auch ein Zitat zu Frankfurt kennst, schreibe mir gerne eine E-Mail an sputnikffm.blog[at]gmx.de oder hinterlasse mir ein Kommentar. Ich bin gespannt welche und wieviele Zitate zusammenkommen. Der Anfang ist gemacht, schließlich beginnt jede Sammlung mit einem ersten „Sammelstück“.

Jochen Till Bücher