Anne Frank in Frankfurt. „Wenn du jetzt bei mir wärst“ von Waldtraut Lewin

Wenn du jetzt bei mir wärst_Waldtraut Lewin

„Früher wohnten wir in Frankfurt …“ so beginnt ein Eintrag von Anne Frank in ihrem Tagebuch. Die Frankfurter Wurzeln der Familie Frank reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der Aufstieg der Nationalsozialisten zwang die Familie Frank zur Emigration. Otto Frank, Annes Vater, ging mit seiner Familie nach Amsterdam als Anne 4 Jahre alt war.

Frankfurt liest ein Buch: „Grüße und Küsse an alle“
Im Rahmen der Aktion „Frankfurt liest ein Buch“ stand dieses Jahr im April – zum 70. Todestag von Anne Frank – die Geschichte ihrer deutsch-jüdischen Familie im Mittelpunkt des Frankfurter Stadtgeschehens. Mehr als 12.000 Menschen waren bei fast 100 Veranstaltungen dabei, bei denen das Buch „Grüße und Küsse an alle. Die Geschichte der Familie von Anne Frank“ von Mirjam Pressler und Gerti Elias zum Dreh und Angelpunkt wurde – von Lesungen, Gesprächsrunden, Stadtführungen und Ausstellungen.

Familie Frank Zentrum in Frankfurt
Im Jahr 2012 hat das Jüdische Museum der Stadt Frankfurt außerdem in Zusammenarbeit mit dem Anne Frank Fonds Basel das Familie Frank Zentrum als einen neuen zentralen Schwerpunkt des Hauses begründet. Das Archiv des Familie Frank Zentrums verwahrt Fotografien und Dokumente der Familie. Die Sammlung hingegen ist im Aufbau und konzentriert sich auf Gegenstände der Familie, die etwas über die bürgerliche Kultur von Frankfurter Juden in der Vergangenheit aussagen. Die Bestände des Familie Frank Zentrums werden im großen Umfang erst nach dem Umbau und der Erweiterung des Jüdischen Museums in dessen Dauerausstellung zu sehen sein. Die Eröffnung des Neubaus ist für 2017 geplant. Es findet also eine Art Rückkehr der Familie Frank nach Frankfurt statt – zumindest in Form des Erinnerns.

Waldtraut Lewin: „Wenn du jetzt bei mir wärst. Eine Annäherung an Anne Frank“
In dem Buch, das ich Dir heute vorstellen möchte, geht es ebenfalls unter anderem um die Rückkehr von Anne Frank nach Frankfurt. Keine Rückkehr in Erinnerungen, sondern eine ganz und gar echte Rückkehr – die eines Mädchens aus Fleisch und Blut: Anne Frank. Eines Mädchens, das 70 Jahre nach ihrem Tod ihre alte und so sehr veränderte Geburtsstadt wiederbesucht, am Main mit dem Fahrrad entlangradelt und über die Wolkenkratzer staunt. Wie das geht? Mit der Kraft der Fantasie.

Waldtraut Lewin wagt in ihrem Jugendbuch „Wenn du jetzt bei mir wärst“, dass dieses Jahr bei cbj erschienen ist, ein Gedankenexperiment der besonderen Art und haucht Anne wieder Leben ein. Sie lässt Anne ausbrechen, staunen und ein Leben nachholen, dass in der Realität ein viel zu frühes Ende nahm. Waldtraut Lewin stellt sich in ihrem Buch die Frage: Was würde Anne Frank sagen, wenn sie die Welt von heute erleben könnte? Wenn sie erfahren würde, dass Hitler den Krieg verloren hat und Juden frei leben können. Sie nimmt Anne mit auf eine Reise von Amsterdam nach Frankfurt und schließlich nach Israel und zeigt ihr in dieser fiktiven Begegnung die heutige Welt. Aber fangen wir ganz von vorne an …

Die Handlung
Alles beginnt in dem Haus in der Prinsengracht in Amsterdam, in dem Anne Frank sich mit ihrer Familie zwei Jahre lang vor den Nazis verstecken konnte und dort Tagebuch führte. Die Ich-Erzählerin der Geschichte, die sich selbst Corelli nennt, steift durch das heutige Museum und Dokumentationszentrum im Hinterhaus und denkt an Anne. Es ist der 12. Mai 2014. Heute wäre Anne Frank 85 Jahre alt geworden. Plötzlich begegnet Corelli einem Mädchen. Einem ganz besonderen 14-jährigen und zugleich 85-jährigen Mädchen namens Anne Frank, das seit Jahrzehnten durch die Räume „geistert“, alles immer wieder erlebt und sich darüber empört zu einer Ikone erstarrt zu sein. „Ich bin kein Phantom, kein Idol, kein … kein Stück Lehrmaterial über das Schicksal der Juden während der Nazizeit! […] Ich will leben! Leben“, erklärt Anne leidenschaftlich. Corelli versteht sie bestens und nimmt sie mit – nach Draußen, ins Leben, auf eine Reise.
Anne tanzt, küsst, rennt, benutzt ein Handy, erfährt, was das Internet ist, stopft sich mit Leckereien voll und stellt Fragen. Viele Fragen. Wichtige Fragen. Was passierte mit den überlebenden Juden nach dem Ende des Krieges? Was ist der Staat Israel? Wie ist er entstanden? Gibt es immer noch Antisemitismus? Corelli lässt den Wissensdurst Annes und des Lesers nicht ins Leere laufen.

Anne Frank in Frankfurt
Anne möchte daraufhin Israel hautnah kennenlernen. Mit einem gefälschten Pass soll die Reise gelingen. Doch zuvor schlägt Corelli Anne vor einen Zwischenhalt in Frankfurt am Main einzulegen: „Ich will dir deine Geburtsstadt zeigen! Eine Stadt, die für die deutschen Juden immer eine große Bedeutung gehabt hat. Die Stadt, aus der du stammst.“ Anne lässt sich darauf ein und ist verblüfft. Soll diese Stadt mit ihren Hochhäusern Frankfurt sein? Überhaupt Europa sein? Oder sind sie durch einen Trick in Amerika gelandet?

Corelli erzählt Anne von der langen jüdischen Geschichte der Stadt, von 7.000 Juden, die hier inzwischen wieder leben, von der Familie Rothschild und ihrer eigenen Familie, von dem Jüdischen Museum und dem Familie Frank Zentrum, das im Aufbau ist: „Es gibt einen Zweig deiner Familie in der Schweiz. Da ist ein Cousin von dir. Buddy Elias. Er hat alle möglichen Schätze gesammelt und aufbewahrt. Gemälde und Fotografien, Familienbriefe, Dokumente und vor allem wunderbare Gegenstände, Porzellan und geschliffene Gläser, Vasen, Uhren, sogar Schmuck. Alles das Zeugnisse deiner Vorfahren, der Franks aus Frankfurt.“ Anne ist begeistert von der Idee und zugleich enttäuscht, dass sie das Zentrum noch nicht besichtigen kann, um mehr über ihre Familiengeschichte zu erfahren.

Doch die Stadt gefällt ihr. Am Mainufer stellt Anne träumerisch fest: „Von hier aus gesehen, von hier aus, wo man atmen kann und die Weite spürt, ist diese Stadt, sind diese Häuser wie aus einem Märchen. Amsterdam ist eng. Dies hier ist eng und weit zugleich.“

Gemeinsam besuchen sie den Jüdischen Friedhof in Frankfurt und Corelli erklärt Anne, was es mit den Steinen des Gedenkens auf den Gräbern auf sich hat. Anne ist bewegt: „Ich war noch nie auf einem Judenfriedhof. […] Ich wusste nicht … die christlichen Friedhöfe sind so … anders. Diese Platten, diese Enge. Das Volk, das sich zusammenschließt, um es den Feinden schwerer zu machen.“ Und genau an diesem Ort der Stille sieht sich Anne von Angesicht zu Angesicht mit Antisemitismus in der Gegenwart konfrontiert. Springerstiefeln. Hass. Und wehrt sich …

Ein ungewöhnlicher, neuer Ansatz zur Annäherung.
„Wenn du jetzt bei mir wärst“ ist ein gelungenes Buch, das ich mit großem Interesse gelesen habe. Waldtraut Lewin, eine der wichtigsten deutschen Stimmen für jüdische Themen im Jugendbuch, hat es geschafft, einen ganz eigenen und neuen Ansatz zu finden, um Lesern, die Person Anne Frank und die jüdische Geschichte näherzubringen.

Ein Buch, das sich nicht vor der Beantwortung schwieriger Fragen drückt, sondern (jugendlichen) Lesern aufrichtige und differenzierte Antworten geben möchte und zugleich dazu einlädt – wie Anne – nicht mit dem Fragen aufzuhören. Ich finde es spannend, dass Waldtraut Lewin sich in dem Buch vor allem zur Aufgabe gemacht hat, der jungen Anne (und den Lesern) die Entwicklungen nach dem Krieg aufzuzeigen. Ein Buch, das die positiven Errungenschaften betont ohne die schrecklichen Anfeindungen, dass es auch heute noch gibt, auszusparen.

„Wenn du jetzt bei mir wärst“ lässt eine neue Art der Begegnung zwischen Anne und den Lesern zu und bietet unter anderem und ganz nebenbei auch interessante Einblicke auf das jüdische Leben in Frankfurt.

Wenn du jetzt bei mir wärst. Eine Annäherung an Anne Frank
Waldtraut Lewin
cbj, Februar 2015
224 Seiten
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, € 16,99

Das Buch wurde mir freundlicherweise kostenlos vom cbj-Verlag zur Verfügung gestellt. Der Beitrag spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.

5 bekannte Frankfurterinnen, die mich beeindruckt haben.

Paper and technology

Vor einigen Wochen habe ich mit einer Freundin an einer Stadtführung der Frankfurter Stadtevents teilgenommen zum Thema „Frankfurts starke Frauen“. Unser Guide Elisabeth Lücke nahm uns mit auf einen Spaziergang auf den Spuren von berühmten aber zum Teil auch fast vergessenen weiblichen Persönlichkeiten der Stadt Frankfurt. Angefangen am Roßmarkt bei Goethes Mutter bis hin zu Gundula Rothschild, der ebenso fürsorglichen wie einflussreichen Bankiersgattin, die uns beim Dom näher vorgestellt wurde. Und so wie die Frauen in den Geschichtsbüchern und in der Straßenbennenung in der Regel unterrepräsentiert sind – so blieb der männliche Anteil der Tourteilnehmer wiederum ebenfalls unterrepräsentiert bzw. vollkommen unsichtbar. Also bei null. Kommt bei dieser Tour wohl öfter vor. Dabei war es sehr interessant.

Los Rumtreiber, treiben wir uns rum.
Ich gebe zu, ich liebe Stadtführungen, Burgführungen, Museumsführungen usw.! Denn sie wecken oder stärken in mir die Emotionen für einen bestimmten Ort und ermöglichen es mir unbekannte Seiten davon kennenzulernen. Wer mit einer sach- bzw. stadtkundigen Person „um die Häuser“ oder durch ein bestimmtes Haus zieht, sieht immer mehr, erfährt immer mehr. Ich erinnere mich z. B. an eine nächtliche und sehr atmosphärische Jack-the-Ripper-Tour durch die neblige Londoner Nacht, die mich an Ecken geführt hat, die ich sonst nicht betreten hätte. Oder an die Führung durch die Marksburg am Rhein, bei der ich so manches über Redewendungen und ihren mittelalterlichen Ursprung gelernt habe oder den Besuch im Orchard House in Concord bei dem ich mit Herzklopfen im Zimmer einer meiner liebsten Autorinnen Louisa May Alcott stand.

Frankfurts starke Frauen.
Auch in Frankfurt habe ich mich schon mit diversen Guides „rumgetrieben“ und 101 Unorte entdeckt, das Bahnhofsviertel und zuletzt eben mehr über Frankfurts starke Frauen erfahren. Die Tour hat mich dazu bewogen zum Einen schnellstmöglich die nächste Stadttour zu buchen, weil es so interessant und unterhaltsam war und zum Anderen darüber nachzudenken, welche Frankfurterinnen mich ganz persönlich beeindruckt haben – und noch nicht bei der Führung vorgestellt wurden. (Mit dieser Frage an uns beendete Frau Lücke ihre Führung.) Natürlich dachte ich da zuallererst an meine klugen, lieben und humorvollen Frankfurter Freundinnen – aber um die soll es hier natürlich nicht gehen und sie wollen auch sicher nicht das ihre Wohnung zur Station einer Stadttour wird. Daher fokussiere ich mich auf 5 weibliche bekannte Persönlichkeiten, die eine gewisse Zeit in Frankfurt gelebt haben und die ich persönlich inspirierend finde und Dir vorstellen möchte.

1. Bertha Pappenheim
Bertha Pappenheim kämpfte in ihren jungen Jahren mit Angstzuständen und einer Persönlichkeitsstörung, die zeitweilig zum Verlust ihrer Muttersprache führte. Sie begab sich in die Behandlung des Wiener Arztes Josef Breuer. Mit Hilfe einer „Redekur“ kam es schließlich zu einer langsamen Besserung ihres Zustandes. Sigmund Freud nahm ihren Fall  – den Fall der Patientin Anna O. – als Ausgangspunkt für die Entwicklung seiner Theorie zur Hysterie und Psychoanalyse. Josef Breuer beschreibt sie als „von bedeutender Intelligenz, erstaunlich scharfsinniger Kombination und scharfsichtiger Intuition“. Als sie 1888 mit ihrer Mutter von Wien nach Frankfurt zog, nahm ihr weiterer Lebenslauf eine erstaunliche Wendung.
Bertha wurde zur Frauenrechtlerin, Sozialarbeiterin, Schriftstellerin und Kämpferin gegen die Zwangsprostitution jüdischer Mädchen. Sie leitete ein Waisenhaus sowie zwanzig Jahre lang den nationalen Jüdischen Frauenbund, der sich für die Emanzipation der Frau einsetzte. Sie eröffnete in Neu-Isenburg ein Mädchenwohnheim zur Unterstützung unehelicher und/oder von Prostitution und Mädchenhandel bedrohter jüdischer Frauen. Hier konnten die Frauen sogar ihre Kinder zur Welt bringen und weiterhin mit ihnen zusammenleben. Die zeitlebens nach Selbstbestimmtheit strebende Bertha blieb unverheiratet und starb 1936, gepflegt von ihrer Freundin und Vertrauten Hannah Karminski, in Frankfurt. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof in der Rat-Beil-Straße 10 beerdigt. Ihr Mädchenheim wurde 1942 von Nazis überfallen und geschlossen. Die Bewohnerinnen deportierte man in Konzentrationslager.
Einige von Bertha Pappenheims Texten kann man sich kostenlos auf den Kindle herunterladen. Ich persönlich lernte sie näher kennen durch den wunderbaren Roman „Und Nietzsche weinte“ von Irvin Yalom.

2. Teofila Reich-Ranicki
Teofila war Illustratorin, Übersetzerin und die Ehefrau des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki. Als ich vor vielen Jahren seine Autobiographie „Mein Leben“ las in der er das Kennenlernen von Teofila, ihr gemeinsames Überleben als Juden im 2. Weltkrieg, seine Karriere im Literaturbetrieb und Ihre zweifellos große Liebe beschrieb, ging mir ihre gemeinsame Geschichte sehr nahe. Ich habe beim Lesen beide Persönlichkeiten, die letztlich 70 Jahre ihres Lebens miteinander verbracht haben, auf ihre individuelle Art als stark, empfindsam und interessant empfunden. Eine Erzählung aus dem Autobiographie prägte sich bei mir ein. Im Warschauer Ghetto lasen sie gemeinsam zum Trost, zitternd vor Angst, in „Doktor Erich Kästners Literarischer Hausapotheke“. Marcel hatte nur ein geliehenes Exemplar und konnte nicht einfach so ein eigenes besorgen. Teofila schrieb daraufhin das gesamte Buch ab und verschönerte es mit eigenen Illustrationen. Marcel Reich-Ranicki erzählte später dies sei vielleicht nicht das schönste, aber in jedem Fall das liebevollste Geschenk gewesen, das er je in seinem langen Leben erhalten habe. Teofilas Aquarelle aus dem Ghetto wurden 1999 im Jüdischen Museum Frankfurt ausgestellt. Sie starb am 29. April 2011 im Alter von 91 Jahren in Frankfurt. Etwa zwei Jahre später starb ihr Mann. Beide haben auf dem Frankfurter Hauptfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden.

3. Anne Frank
„Das Tagebuch der Anne Frank“ las ich das erste Mal im Alter von 12 Jahren und war zutiefst erschüttert. Ich vermute Anne Franks tragische Geschichte ist fast jedem vertraut, deshalb halte ich mich kurz. Anne Frank kam 1929 in Stadtteil Dornbusch in Frankfurt zur Welt, wuchs behütet auf und war sehr lebhaft. Die Idylle nahm ein jähes Ende, als die Nazis 1933 auch die Frankfurter Kommunalwahlen gewannen und die Familie Frank nach Amsterdam umsiedelte, wo sie zunächst ganz zufrieden lebten und schließlich in den Untergrund abtauchten – ins Hinterhaus von Annes Vater Otto Frank, wo sie mit anderen Bewohnern auf 75 Quadratmetern zwei Jahre verbrachten ohne jemals raus zu gehen. In dieser Zeit führte Anne ihr Tagebuch, das einmal so berühmt werden sollte. Dann verriet ein Denunziant das Versteck der Familie an die Gestapo. Anne, ihre Schwester Margot und ihre Mutter starben im Konzentrationslager.
Erinnerungsorte an Anne Frank in Frankfurt sind die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank e. V. in der Hansaallee 150, das Wohnhaus in der Ganghoferstraße 24, an dem sich eine Gedenktafel befindet, und die Gedenkstelle im Marbachweg 307 – einer Platte aus Sicherheitsglas, dass ein schwarz-weißes Kinderbild von Margot, ihrer Freundin Grace und Anne zeigt.

4. Dr. Ruth Westheimer
Die deutsch-amerikanische Sexualtherapeutin Ruth Westheimer wuchs im Stadtteil Nordend als Tochter jüdisch-orthodoxer Eltern auf und beschreibt ihre Kindheit dort als sehr glücklich. Als Ruth 10 Jahre alt war, verhafteten SS-Soldaten ihren Vater. Aus Angst um ihre Sicherheit schickte sie ihre Mutter mit einem „Kindertransport“ in die Schweiz. Sie sahen sich nie wieder. Die kleine Ruth schlug sich im Waisenhaus durch, arbeitete hart und stand am Ende des Krieges ohne Familie und Ausbildung da. Sie zog nach Israel und schloss sich einer Untergrundorganisation der Zionisten an. 1949 heiratete Ruth einen israelischen Soldaten, bekam ein Kind und begann an der Sorbonne Psychologie zu studieren. Einige Jahre später kam sie dank eines Stipendiums in die USA und wurde in den 1980er Jahren zur bekanntesten Sexualtherapeutin im US-Radio und Fernsehen. Ihre offenherzige, direkte und sympathische Art über Sex zu sprechen hat den Puls der Zeit getroffen und ich vermute mal vielen zu einem erfüllteren Sexualleben verholfen. Ich finde Dr. Ruth klasse, obwohl ich noch kein Buch von ihr gelesen habe – aber ihre Fröhlichkeit ist ansteckend und wenn sie unverblümt und mit hessischem Dialekt für heiße Ohren bei Interviews mit Journalisten sorgt, amüsiere ich mich bestens.

5. Kim Cattrall
Kim Cattrall, die Darstellerin der Samantha in der Serie „Sex and the City“ hat von 1982 bis 1985 in Frankfurt im Stadtteil Bockenheim gewohnt, als sie mit einem deutschen Architekten verheiratet war. Sie tanzt hier vielleicht etwas aus der Reihe, aber sie gehört für mich ganz klar in die Kategorie „starke Frauen“.  Die Samantha der Serie ist  schlagfertig, witzig und nimmt nie ein Blatt vor den Mund. Ich fand immer sowohl ihr Selbstbewusstsein inspirierend als auch die Selbstverständlichkeit mit der sie für das kämpfte was sie wollte – in jeder Beziehung. Für mich hätte niemand diese Rolle besser spielen können als  die fabelhafte Kim Cattrall, die dadurch sicher viele Frauen animiert hat kämpferischer und offener zu sein. Im wahren Leben ist die Schauspielerin nicht ganz so wahnsinnig auf Mode versessen, was ich ebenfalls sympathisch finde. Sie verriet: „Ich sammele keine Designer-Kleider, Schuhe und Hüte, sondern Fotos, Briefe und Bücher. Viele von meinen Kleidern gebe ich für wohltätige Zwecke weg.“

Große Namen in Frankfurt

Literaturquellen zum Weiterlesen:
Dierk Wolters: Große Namen in Frankfurt, Societäts-Verlag, 2009
Alicia Lindhoff : Frankfurts berühmte Töchter und Söhne, Wartberg Verlag, 2011

Bildquelle (oberes Bild): Fotolia / © olly