Auf den Spuren von Nessie – ein Reisebericht

So schön Frankfurt auch ist, ich liebe es zu verreisen. Vor kurzem zog es mich nach Schottland und ich begab mich auf die Spuren des Ungeheuers von Loch Ness. Über meine Reiseerfahrungen berichtete ich in einem Gastbeitrag im Blog von Loch Ness bei Jacobite (in Englisch und Deutsch) –  den ich auch gerne auf meinem Blog teile:

Edinburgh_view  Calton Hill

Alle haben gesagt, es würde regnen in Schottland. Als ich das Flugzeug von Frankfurt am Main nach Edinburgh bestieg, war ich bestens ausgerüstet mit Regenjacke und Schirm – für alle Fälle. Dennoch war mir von vornherein klar, dass mir ein paar Regentropfen, die lang ersehnte Reise nach Schottland nicht verderben würden. Ich bin ja nicht aus Zucker! Und doch sollten alle Unrecht behalten. Denn Edinburgh begrüßte mich mit strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen, die sich auch den Rest des Aufenthaltes halten sollten.

Ich verliebte mich sofort in Edinburgh, die Atmosphäre, Architektur und die kleinen, geschichtsträchtigen Gassen, die „Closes“ genannt werden. Ich erkundete das Edinburgh Castle und warf einen Blick auf die Kronjuwelen Schottlands, bestieg tapfer Arthurs Seat und wurde mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt, begab mich unter die Stadt im Mary King‘s Close und trank schottisches Bier im Pub „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“. Das Pub in der New Town huldigt mit seiner, an ein altes Labor erinnernden Einrichtung und den hinter einem Bücherschrank versteckten Toiletten, dem literarischen Helden Dr. Jekyll aus Robert Louis Stevenson Klassiker.

Writers Museum Edinburgh

Natürlich konnte ich mir als großer Bücherfan einem Besuch im Writers Museum nicht entgehen lassen, in dem sich interessante Exponate aus dem Leben der zwei großen Edinburgher Dichter Stevenson und Walter Scott befinden. In dem Museum stieß ich auch auf ein Zitat Stevensons, dass nicht nur seine, sondern auch meine Reiseleidenschaft gut beschreibt: „For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel’s sake. The great affair is to move.” Und ich wollte mich bewegen  – noch weiter in das Landesinnere, auf die Spuren des sagenhaften Ungeheuers von Loch Ness.

Ein Highlight meines Aufenthalts in Schottland stellte  die Busreise mit den Timberbush Tours dar, die mich nach Loch Ness bringen sollte, wo ich mit  Loch Ness by Jacobite eine  Rundfahrt auf dem See erleben sollte.

Eine Strecke von insgesamt 600 km lag vor mir, als ich morgens, an einem schönen Tag im Mai, den Bus bestieg und sogleich von unserem Guide Paul begrüßt wurde, der mit seinem sonnigen Gemüt nicht nur für gute Laune während der Reise sorgte, sondern allen Reisenden auch sehr unterhaltsam jede Menge wissenswerter Informationen und spannender Geschichten vermittelte – z. B. über Legenden der schottischen Geschichte, wie William Wallace, Rob Roy oder auch Maria Stuart, die Königin von Schottland. Von ihm lernte ich auch, dass „Loch“ das gälische Wort für See ist, dass ein „Glen“ ein Tal ist, „Ben“ ein Berg und „Dun“ eine Burg. Gut zu wissen, wenn man in Schottland ist.

Paul Timberbush Tours

Unsere Reise führte uns vorbei an Stirling und dem Doune Castle, in dem in der Vergangenheit auch Dreharbeiten zu der Serie Game of Thrones stattgefunden haben. In Kilmahog machten wir einen kleinen Zwischenstopp und hatten unsere erste Begegnung mit Schottischen Hochlandrindern.

highland cow_

Wir fuhren durch eine Landschaft, die geprägt ist durch dichte Wälder, aufragende Gipfel und zahlreiche Seen, vorbei am Rannoch Moor bis zum Glancoe. In dem berühmten Tal der schottischen Highlands, machten wir Halt, um Fotos zu machen von dem berühmten Gebirgszug, den sogenannten „Drei Schwestern“ und die beeindruckenden Aussichten in uns aufzusaugen.

Glencoe

Unser Mittagessen nahmen wir ein in der Stadt Fort William (es gab Haggis!), die am Ufer des Loch Linnhe liegt, bevor wir weiterreisten zum höchsten Berg Großbritanniens Ben Nevis, ein Name der übersetzt etwa „Berg mit dem Kopf in den Wolken“ lauten könnte, wie der fachkundige Paul verriet. Vorbei an der Stadt Fort Augustus, die am südlichen Ende von Loch Ness liegt, eröffneten sich uns nun erste Einblicke auf den sagenumwobenen See Loch Ness.

Loch Ness

Der langgezogene See ist etwa 37 km lang, aber nur 1,5 km breit. Er ist nach Loch Lomond der zweitgrößte See Schottlands, hat aber aufgrund seiner Tiefe das größte Wasservolumen aller schottischen Seen. (Der tiefste See ist allerdings Loch Moror, wie uns Paul aufklärte.)

Wir haben eine Fahrt auf dem „Loch Ness by Jacobite“-Schiff unternommen und ich kann sie jedem Besucher des Sees wärmstens empfehlen, um in die dunklen Tiefen des Sees zu blicken und die herrliche Landschaft drum herum in seiner vollen Schönheit wahrzunehmen.

Jacobite cruise

Vielleicht löst die Tiefe des Loch Ness in den Menschen das Gefühl aus, irgendetwas Fremdes, Unheimliches lebe in den Gewässern – ein Seeungeheuer! Das glaube ich natürlich nicht, aber Loch Ness bietet seinen Besuchern ungeheuerlich schöne Aussichten und ist ein Beispiel dafür, welch große Kraft Geschichten haben können, wie sie sich mit den Jahren weiterentwickeln und ihrer jeweiligen Zeit anpassen. Denn es gibt vielleicht durchaus Touristen, die Loch Ness vor allem einen Besuch abstatten in der Hoffnung einen Blick auf das Ungeheuer mit dem Namen Nessie zu erhaschen. Ich kann sagen, Loch Ness ist selbstverständlich auch ohne Nessie jede Reise wert – aber die Vorstellung eines Ungeheuers in den Tiefen des Sees ist sehr schmackhafte Nahrung für die Phantasie.

Urquhart Castle

Am Loch Ness gelegen ist außerdem die beeindruckende Burgruine von Urquhart Castle, die wir ebenfalls besichtigt haben. Über ihre wechselvolle und spannende Geschichte kann man sich im dazugehörigen Besucherzentrum informieren.

Auf dem Rückweg nach Edinburgh, passierten wir die Stadt Inverness, die Hauptstadt der schottischen Highlands und machten einen letzten kurzen Stopp in der hübschen, viktorianisch geprägten Stadt Pitlochry. Die Reise nach Loch Ness samt Schifffahrt war ein wunderbares Erlebnis – nicht nur wegen der vielen großartigen Orte, die wir besucht haben, sondern auch wegen unseres kompetenten und liebenswürdigen Guides Paul, der jeden Ort mit seinen Erzählungen für uns noch lebendiger gemacht hat. Danke!

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„Um es kurz zu machen“ von Meike Winnemuth

Vor einigen Monaten war ich auf einer Lesung im Hafen 2 in Offenbach. Die Autorin und Journalistin Meike Winnemuth las dort aus ihrem neuen Buch „Um es kurz zu machen“ vor – einer Sammlung ihrer Kolumnen der letzten Jahre.

Ich kannte das Buch noch nicht, wollte mir die Lesung aber auf keinen Fall entgehen lassen, denn ich war hin und weg gewesen von Winnemuths letztem Buch mit dem Titel „Das große Los“. Dabei handelt es sich um eine Art autobiographisches Reisetagebuch. Meike Winnemuth hatte bei „Wer wird Millionär“ 500.000 Euro abgeräumt. Mit diesem Geld verwirklichte sie sich einen Traum. Sie lebte ein Jahr lang, je einen Monat in einer anderen Stadt der Welt und schrieb darüber. Ich folgte Meike Winnemuth Buchstabe für Buchstabe nach Sidney, Hawaii oder San Francisco und war begeistert von diesem klugen, lustigen, originell erzählten und inspirierenden Buch. Danach hätte ich am liebsten selbst sofort eine Weltreise gebucht. Das ging zwar nicht, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und eins war klar: Diese Autorin hatte mein Leserherz im Sturm erobert.

Meike Winnemuth_Um es kurz zu machen

Die Lesung im Hafen 2 war ein voller Erfolg. Meike Winnemuth war auf der Bühne genau so sympathisch und humorvoll wie in ihrem Buch und das Publikum: begeistert. Sie las einige ihrer Kolumnen vor, beantwortete dann charmant alle Fragen aus dem Publikum und signierte im Anschluss ihre Bücher. Ich ging bestens gelaunt nach Hause und beschloss nun auch ganz bald „Um es kurz zu machen“ zu lesen.

Die rund 70 im Buch enthaltenen Kolumnen sind zuvor in Zeitschriften oder Magazinen erschienen, wie der Süddeutschen oder dem Stern. Im Buch wurde der Versuch unternommen sie in acht thematische Kategorien einzuteilen, wie z. B. „Lieben“, „Hassen“, „Ausprobieren“, „Einsehen“. Es sind kurzweilige und, wie es Kolumnen so an sich haben, persönliche Texte über das Leben, über Alltägliches und Besonderes.

Kleine Kostprobe gefällig? Eine meiner Lieblingskolumnen heißt „Ist mir egal, ich lass das jetzt so“. Meike Winnemuth beschreibt hier wie befreiend es ist, sich im Prozess des Äterwerdens von dem Selbstoptimierungswahn der jungen Jahre zu lösen, den Bemühungen, endlich ein verantwortungsbewusstes Erwachsenenleben zu führen, ein rückenmuskeltrainiertes, steueroptimiert angelegtes, life-work-balanciertes, vor Mitternacht ins Bett gegangenes Spitzenleben […] Das kriege ich nicht mehr hin, so ein Prachtexemplar der Menschheit zu werden. War ‘ne bescheuerte Idee von Anfang an.[…] Stattdessen: Schnapsideen! Befreiungsschläge! Unverantwortliche Kurswechsel!“ Sehr amüsant und wohltuend. Oder die Kolumne mit dem Titel „Osnabrück“, in der Winnemuth eine Anekdote aus ihrem Leben erzählt, von einem Treffen mit einer völlig fremden Leserin und dabei nebenbei ein leidenschaftliches Plädoyer rausschlüpft für mehr Wagnisse, mehr Vertrauen in (fremde) Menschen und gegen die ständige Frage „Was springt für mich dabei raus?“, bei allem was man so treibt.

Die kurzen Kolumnen versüßen dem Leser, mit ihrer optimistischen Leichtigkeit und ihrem Scharfsinn und Witz, definitiv den Tag. Der authentische Stil der Autorin, die Themen gerne kurz, knapp aber treffend auf den Punkt bringt, finde ich ausgezeichnet. Mich hat diese Kolumnensammlung zum Schmunzeln, zum Lachen, zum Nachdenken gebracht. Meike Winnemuths neugieriger Blick auf die Welt und ihre Lebensfreude sind zudem einfach ansteckend. Eine empfehlenswerte Lektüre.

Um es kurz zu machen. Von dem unverschämten Glück auf der Welt zu sein
Meike Winnemuth
Knaus, August 2015
206 Seiten
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag € 16,99

Das Buch wurde mir freundlicherweise kostenlos vom Knaus Verlag zur Verfügung gestellt. Der Beitrag spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.

Offenbach Hills

Seit Januar hat Offenbach ein neues, durchaus selbstironisches Wahrzeichen. In Anlehnung an den berühmten Schriftzug in Hollywood schmückt den bescheidenen Feldherrenhügel nun selbstbewußt der Stadtname Offenbach in weißen Großbuchstaben und wertet so den häßlichen Marktplatz auf. Die Idee stammt von einem Student der Offenbacher Hochschule für Gestaltung: Heinrich Zimmermann.

Mir gefällt sein Einfall, gerade weil der Vergleich von Offenbach und Hollywood so unglaublich hinkt und Offenbach sich durch diese eigenwillige Nachahmung auf charmante Weise „aufspielt“. Und ich habe den Eindruck, die Offenbach Hills kommen bei den Bewohnern gut an. Während ich das Foto gemacht habe, kam jedenfalls eine alte Dame auf mich zu und sagte: „Das ist schön, oder? Am Wochenende komme ich her, mit meinen Enkeln, und dann machen wir ein Foto davor“. Die Fältchen um ihre Augen fingen an zu tanzen, die Mundwinkel schossen nach oben und sie schenkte mir ein strahlendes und auch stolzes Lächeln. Das war rührend und auch ein bisschen hollywoodreif.

Offenbach Hills

Menschen im Bahnhofsviertel. Fotografien von Ulrich Mattner

Was prägt einen Stadtteil? Was bestimmt seinen Charakter? Die Antworten können sehr vielfältig ausfallen: Das Gesicht eines Stadtteils formt sich durch seine Geschichte, seine Architektur, seine kulturellen Räume, Kneipen, Restaurants, Parks, seinen Ruf – aber vor allem durch die Menschen, die vor Ort leben und arbeiten.

Der Fotograf und Journalist Ulrich Mattner lebt seit 6 Jahren im Frankfurter Bahnhofsviertel. Seine Fotoausstellung „Menschen im Bahnhofsviertel“ in der Kaiserpassage zeigt aktuell eine Auswahl seiner Porträts von Persönlichkeiten aus diesem „Milieu der Kontraste“. Die grobkörnigen Schwarz-Weiß-Fotografien sind spontane Momentaufnahmen, stark und authentisch. Von der Stripperin bis zum Türsteher, von lokalen Händlern bis zu einer Bettlerin – man spürt, dass sich hinter jedem Bild eine Geschichte verbirgt und der Betrachter ihr zumindest einen Wimpernschlag lang lauschen darf.

(c) Ulrich Mattner, Menschen im Bahnhofsviertel

©Ulrich Mattner

Die Ausstellung ist als eine Street-Gallery mitten im Kiez gestaltet. Bei einem Rundgang durch die Kaiserpassage, einer aus den 1970er Jahren stammenden Einkaufspassage, die die Kaiser- mit der Taunusstrasse verbindet, stößt man direkt auf die meist in Vitrinen hängenden 33 Fotografien.
Ulrich Mattner bietet übrigens auch sehr spannende Touren durch das Bahnhofsviertel an. Ich habe selbst schon an einer teilgenommen und kann es wirklich sehr empfehlen.

Die Ausstellung „Menschen im Bahnhofsviertel“ wird noch bis zum 25. März 2016 in der Kaiserpassage (Kaiserstraße 62) zu sehen sein. Sie ist täglich, außer sonntags, von 9-20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.