„My Life on the Road“ von Gloria Steinem

gloria-steinem_my-life-on-the-road_deutsch_rezensionAnfang des Jahres hat die Schauspielerin, UN-Botschafterin und Verfechterin für die Gleichberechtigung, Emma Watson, auf Goodreads einen feministischen Buchclub gegründet mit dem Namen „Our Shared Shelf“. Wie die Idee dazu entstand, beschreibt sie wie folgt:

„As part of my work with UN Women, I have started reading as many books and essays about equality as I can get my hands on. There is so much amazing stuff out there! […] I decided to start a Feminist book club, as I want to share what I’m learning and hear your thoughts too.”

Mehr über „Our Shared Shelf“

Der Plan ist jeden Monat gemeinsam ein ausgewähltes Buch zu lesen und darüber zu diskutieren. Besprochen wurden bereits Bücher wie „Persepolis“ von Marjane Satrapi oder „Die Farbe Lila“ von Alice Walker. Der Club erfreut sich großer Beliebtheit und hat allein auf Goodreads aktuell über 142.000 Mitglieder, die „stillen Mitleser“ natürlich nicht eingeschlossen. Das allererste Buch, das im Januar 2016 von Watson auf der Agenda des Buchclubs gesetzt wurde, war „My Life on the Road“ von der Amerikanerin Gloria Steinem, die zu den zentralen Wegbereiterinnen der Frauenbewegung in den 1960er Jahren zählt. Und dieses Buch, auf das ich dank des Buchclubs gestoßen bin und das im Juli in der deutschen Übersetzung von Eva Bonné bei btb erschienen ist, möchte ich heute vorstellen.

Wer ist Gloria Steinem?

Gloria Steinem ist eine politische Aktivistin, Journalistin und Frauenrechtlerin, die 1934 in Ohio, USA geboren wurde. Sie ist Gründerin und Herausgeberin des amerikanischen, feministischen Magazins „Ms.“, dass 1972 das Licht der Welt erblickte. In dem autobiographischen Buch „My Life on the Road“ blickt sie auf ihr aufregendes Arbeitsleben als reisende Aktivistin zurück. Das Buch ist laut ihrer eigenen Aussage: „die Geschichte einer modernen Nomadin“.

Anliegen des Buches „My Life on the Road“

Gloria Steinem macht zu Beginn ihres Buches ganz klar, welche Anliegen damit verknüpft sind:

  1. Sie möchte über ihre Reisen als Aktivistin durch Amerika und somit auch über Amerika erzählen.
  2. Sie möchte den Leser dazu ermutigen, selbst auf Reisen zu gehen. Dabei geht aber vor allem darum sich die Geisteshaltung des Reisenden anzueignen, der offen bleibt für alles, was geschieht, sobald er die Haustür verlässt.
  3. Sie möchte Geschichten erzählen.
  4. Sie möchte für Frauen eine Wegbereiterin in puncto Reisen sein, denn: „Für eine Frau ist vielleicht nichts so revolutionär, wie selbstbestimmt auf Reisen zu gehen – und bei ihrer Rückkehr mit offenen Armen empfangen zu werden.“

Abenteuer einer reisenden Frau

In „My Life on the Road“ erzählt Gloria Steinem nicht strikt chronologisch aus ihrem Leben als Reisende, sondern setzt, unterteilt in sieben Kapitel, Themenschwerpunkte, die wiederum oft eine bunte und abwechslungsreiche Collage aus Geschichten darstellen. Der große gemeinsame Nenner ist dabei immer das Reisen. Ein paar Beispiele:

In dem ersten Kapitel mit dem Titel „In den Fußstapfen meines Vaters“ ergründet sie die Ursprünge ihrer Leidenschaft fürs Reisen als Lebenskonzept, indem sie verrät, dass der Grundstein für ihr späteres Nomadenleben und ihren Freiheitsdrang bereits in der unsteten Kindheit gelegt wurde, durch den Beruf und die Mentalität des Vaters, der als Trödelhändler stets „on the road“ war, nicht selten mit der kompletten Familie im Schlepptau.

In „Wenn das Politische privat wird“ erzählt sie von ihren Aktivitäten als Wahlkämpferin in den letzten Jahrzehnten in den USA, unter anderem im US-Vorwahlkampf 2008 als Hillary Clinton und Barack Obama gegeneinander antraten und sie sich für Clinton engagierte.

In „Gesprächskreise“ wird der Fokus gelegt auf faszinierende Begegnungen mit Fremden, im Rahmen von Vorträgen und Gesprächsrunden, ,,die einander mit allen fünf Sinnen begegnen und einen echten Bewusstseinswandel zulassen.“

Mein absolutes Lieblingskapitel war außerdem „Warum ich nicht Auto fahre“, in dem Steinem erzählt, warum das einsame Reisen im Auto für sie keine Option ist: „Manchmal zitiere ich Umfragen, aus denen New Yorker als die glücklichsten Menschen Amerikas hervorgingen. Und warum? Weil man sich in der ‚Hauptstadt der Nichtfahrer‘ auf der Straße begegnete, statt isoliert voneinander in rollenden Blechdosen zu sitzen.“ Sie versammelt in diesem besonderen Kapitel eine große Vielfalt höchst interessanter Anekdoten über Begegnungen, die sie beispielsweise beim Taxifahren oder im Flugzeug erlebt hat. Darunter sehr bewegende und unvergessliche Geschichten.

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Authentisch, einnehmend und mit Herzblut geschrieben

Gloria Steinems Erinnerungsbuch hat mich in seinen Bann gezogen. Sie verfällt beim Scheiben nie ins Selbstdarstellerische oder Belehrende sondern nimmt den Leser mit auf die Reisen ihres Lebens und teilt mit ihm, was sie dabei erlebt und gelernt hat. Der Stil ist dabei stets sehr klar und äußerst einnehmend (Kompliment auch an die Übersetzerin). Steinem erzählt mit Herzblut und Aufrichtigkeit aus ihrem Leben, ohne Scheu neben Erfolgen auch Unsicherheiten und Fehler zu benennen. Ihre Empathie für die Menschen und ihr Enthusiasmus beim Kampf, um eine gerechtere Welt, ist im höchsten Maße imponierend und inspirierend. Ebenso wie die Passion fürs Reisen und der Mut dazu, sich immer wieder alleine auf den Weg zu begeben und sich auf immer neue Abenteuer einzulassen.

Hin und wieder gab es Momente beim Lesen, bei denen ich den Eindruck hatte, dass die collagenartige Form, das Buch an einigen Stellen etwas unstrukturiert erscheinen lässt – aufgrund der schnellen „Sprünge“ zwischen den Geschichten und Begegnungen. Dennoch habe ich nie den roten Faden verloren. Am Ende wurde mir jedoch klar, dass diese Brise Chaos die Authentizität des Buches nur bestärkt. Denn so ist das Reisen eben: kein gerader Weg, sondern manchmal sehr bunte Sammlung aus kleinen und großen Erlebnissen, Gefühlen und Lektionen. „My Life on the Road“ ist ein kluges und mitreißendes Buch über die Suche nach seiner eigenen Bestimmung, den Kampf für den Feminismus und das Reisen als Lebenshaltung.

„My Life on the Road“
Gloria Steinem
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Eva Bonné
btb, Juli 2016
384 Seiten
Paperback, Klappenbroschur
€ 16,99

Das Buch wurde mir freundlicherweise kostenlos vom btb Verlag zur Verfügung gestellt. Der Beitrag spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.

Zitate zu Frankfurt. Jeden Tag anders.

Zitate zu FrankfurtDie Altstadt wächst, der HenningeBausteller-Turm ist verschwunden, die Batschkapp ist umgezogen, die EZB wurde eröffnet, die Großmarkthalle geschlossen, die Zeilgalerie wird abgerissen, der AfE-Turm wurde gesprengt und ich werde seit Wochen jeden Morgen von den „sanften“ Klängen der lärmenden Baustelle vor meiner Haustür geweckt. Jap, diese Stadt ist jeden Tag anders und in einem ständigen Neuerfindungsmodus. Und darum geht es auch im heutigen Zitat von Eva Demski aus dem Buch „Frankfurt ist anders“:

„Frankfurt ist anders, jeden Tag. Wenn Sie das lesen, hat es sich schon wieder verändert. Auch das ist eine Art Verläßlichkeit.“

Ich bin so froh, dass auch die Arbeiter auf der Baustelle nun in ihren verdienten Feierabend starten. Ich spitze die geplagten Ohren und ohne das Gebohre, Gegrabe und Geklopfe klingt der übliche Krach der Stadt plötzlich fast wie … Ruhe.

Mehr Zitate zu Frankfurt gibt es jede Woche auf meiner Facebook-Seite. Ich freue mich auf Deinen Besuch.

Zitate zu Frankfurt. Mainhattan vs. Manhattan.

Zitate zu FrankfurtEs gibt Menschen –Heimatkunde Michael Herl allerdings meines Wissens nach, nicht sehr viele – die Frankfurt gerne als „Mainhattan“ bezeichnen. Natürlich liegt es an der Skyline, die in dieser Form keine andere deutsche Stadt vorweisen kann. Dennoch – die wortspielerische Anlehnung an New York City  ist ein bisschen zu viel der Ehre für das kleine Metropölchen am Main. „Mainhattan“ ist eben nicht Manhattan. Da kann man sich nichts schön reden. Macht nichts. Denn Frankfurt ist auf seine Art liebenswert. Warum, beschreibt zum Beispiel sehr unterhaltsam Michael Herl in seinem Buch „Heimatkunde Frankfurt“. Eins meiner Lieblingsbücher zu meiner Wahlheimat. Daraus stammt auch das nächste Zitat zu Frankfurt, dass ich gerne teilen möchte. Bitteschön:

„Wenn Sinatra über New York sang, dass diese Stadt niemals schlafe, so gilt das für Frankfurt ganz und gar nicht. Frankfurt pennt gerne und viel. Doch wenn man es wachküßt, dann geht es ab. Man muß halt wissen wie. Frankfurt muss man tausendmal berühren, bis es irgendwann ‚Zoom‘ macht.“ (Michael Herl)

Mehr Zitate zu Frankfurt gibt es jede Woche auf meiner Facebook-Seite.

Zitate zu Frankfurt. Neue Rubrik.

Zitate zu FrankfurtDas ich Frankfurt mag, ist kein Geheimnis. Immer wieder lese ich Bücher über die große-kleine Stadt am Main, als wären es Biografien meiner Lieblingskünstlerin – einer komplizierten, schwierigen und doch großartigen und facettenreichen Diva – von der ich gar nicht genug in Erfahrung bringen kann. Dabei entdecke ich oft tolle Zitate, die ich originell, treffend oder einfach nur lustig finde. Wenn ich kein Bleistift zur Hand habe zum Anstreichen oder mir das Zitat nicht irgendwo notiere, sind all die kleinen dichterischen „Oden“ an Frankfurt für mich ruck-zuck wieder verloren. Aber das soll sich jetzt ändern. Ich habe mir ein kleines Notizbuch zugelegt, in dem ich von nun an all die gefunden Zitate zum Thema Frankfurt sammeln möchte. Für wen? Für mich – aber natürlich auch für Dich! Ich möchte von nun an möglichst jede Woche ein Frankfurt-Zitat  auf meiner Facebook-Seite teilen, dass mir zugefolgen ist.

Den Anfang macht ein Zitat von Jochen Till, der in Sulzbach wohnt und wunderbare Kinder- und Jugendbücher schreibt. Eins meiner Lieblingsbücher von ihm heißt „Der Junge Sonnenschein“, ist sein Debütroman und spielt in Frankfurt. Vor einigen Jahren hatte ich das Glück den sympathischen Autor zu interviewen. Den Beitrag dazu kannst Du hier nachlesen, wenn Du möchtest (Presse / Journal Frankfurt, 2010). Das folgende Zitat stammt aus dem zweiten Teil seines Jugendbuches „Charlie & Leo“, dass ich nicht nur sehr gerne gelesen sondern auch angeschaut habe, da es toll illustriert ist. Aber jetzt zurück zu der neuen Rubrik. Hier kommt Zitat Nr. 1:

„Frankfurt ist sozusagen der Charlie Brown unter den Großstädten – durchaus liebenswert, aber eben erst auf den zweiten Blick.“ (Jochen Till)

Wenn Du auch ein Zitat zu Frankfurt kennst, schreibe mir gerne eine E-Mail an sputnikffm.blog[at]gmx.de oder hinterlasse mir ein Kommentar. Ich bin gespannt welche und wieviele Zitate zusammenkommen. Der Anfang ist gemacht, schließlich beginnt jede Sammlung mit einem ersten „Sammelstück“.

Jochen Till Bücher

„Blogger schenken Lesefreude“ – Ich mache mit!

Blogger_Lesefreude_2014_Banner_transIm Jahr 2013 wurde die Aktion „Blogger schenken Lesfreude“ ins Leben gerufen. Mehr als 1000 Blogs haben mitgemacht. Ich habe beschlossen: Dieses Jahr bin auch ich dabei.

Und so geht’s: Zum Welttag des Buches, am 23. April 2014, tragen teilnehmende Blogger ihre Begeisterung für die Literatur in die Welt, indem sie auf ihrem Blog ein Lieblingsbuch verlosen. Was wäre also naheligender als das literarische Schmuckstück als Gewinn anzubieten, das meinem Blog seinen Namen gegeben hat: „Sputnik Sweetheart“ von Haruki Murakami.

Haruki Murakami erzählt in „Sputnik Sweetheart“ die Geschichte von K., dem namenlosen Erzähler, seiner liebsten Freundin Sumire und Miu. Sumire ist 22 Jahre alt, raucht zu viel, ist eigensinnig und ein bisschen weltfremd. Sie ist auf eine wunderbare Art eigenartig. Sie möchte Schriftstellerin werden und ruft K., der Lehrer ist, manchmal um drei Uhr Nachts an, nur um ihm eine Frage zu stellen, die ihr keine Ruhe lässt. K. und Sumire sind die besten Freunde. Die einzigen Freunde füreinander. K. würde sich mehr wünschen, denn er ist verliebt in Sumire. Sie nimmt ihn jedoch nur als Freund wahr und kann mit dem Thema Sex außerdem nicht viel anfangen.

Bis sie die elegante Miu trifft, 17 Jahre älter und verheiratet. Sumire verliebt sich heftig und ungezügelt „wie ein Wirbelsturm“ in Miu, der sie aufgrund eines kleinen Missverständnisses bei ihrem Kennenlernen, den Kosenamen „süßer Sputnik“ gibt.

Miu bittet der rastlosen und unkonventionell lebenden Sumire ein Job an, den sie annimt. Irgendwann beschließen sie an eine gemeinsame Geschäftsreise einen kurzen Urlaub in Griechenland dranzuhängen. Auf der kleinen Ferien-Insel verschwindet Sumire plötzlich spurlos und ungeklärt. Miu ruft K. an und bittet ihn um Hilfe. Er erfährt von Mius verstörendes Geheimnis, von Sumirus ungestillter Sehnsucht und muss sich den Fragen stellen: Wenn die Realität uns nicht das schenkt was wir uns wünschen, können wir uns dann in Luft auflösen? Kann uns ein Stück unseres Ichs in ein paralleles Universum abhanden kommen? Wie nah liegen Traum und Realität wirklich beieinander?

„Sputnik Sweetheart“ erzählt von Einsamkeit und der ewigen Suche nach Liebe auf eine so orignielle, berührende und rätselhafte Weise, dass es mir den Atem raubt. Ich liebe dieses realistisch-surreale Werk sehr. Es bedeutet mir viel, auch wenn man allerorts hört, es gibt bessere Bücher von Murakami. Für mich ist es etwas ganz Besonderes. Wen ich auf dieses Buch also neugierig machen konnte, der sollte unbedingt allerspätestens (!) am 23.04.2014 wieder hier vorbeischauen. Denn dann verlose ich an dieser Stelle im Rahmen von „Blogger schenken Lesefreude“ ein nagelneues Exemplar und mit etwas Glück gehört es Dir, Dir oder Dir.

Zum Abschluss noch ein Zitat aus „Sputnik Sweetheart“:

„Manchmal fühle ich mich so verzagt und hilflos, als hätte man mir ganz plötzlich den Boden unter den Füßen weggerissen, und ich würde schwerelos und allein durch den stockdunklen leeren Raum treiben. Und weiß nicht, wohin.“

„Wie ein verirrter Sputnik?“

„So ungefähr.“

Sputnik Sweetheart

Happy Birthday, Haruki Murakami!

Heute feiert Haruki Murakami, einer meiner absoluten Lieblingsautoren, seinen 65. Geburtstag! In der aktuellen Ausgabe des Magazins „DIE ZEIT“ findet sich eines der seltenen Interviews mit dem scheuen Autor, dass ich voller Neugier gelesen habe. Ein sehr interesantes Gespräch.

Besonders gut hat mir Murakamis Antwort auf die Frage „Wie geht es Ihnen, wenn sie schreiben?“ gefallen. Er sagte:

„Schreiben ist für mich der Sinn des Lebens. Durch das Schreiben ist mein Leben etwas Besonderes geworden. Mein Schreibtisch ist das, was für Clark Kent die Telefonzelle ist: Hier verwandle ich mich in Superman. Beim Schreiben kann ich alles tun, was ich will. Ich habe keine Angst mehr. Aus der Vorstellungskraft kann ich alles schöpfen. Beim Schreiben kann ich die Welt retten. Aber sobald ich den Schreibtisch verlasse, verwandle ich mich wieder in Clark Kent zurück.“

(Zitat aus: DIE ZEIT, 9. Januar 2014, Nr. 3, Seite 38.)

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