Rocko Schamoni und „Die Vergessenen.“

Dienstag, der 26. August. Frankfurt versinkt in Regenströmen. Ich stehe an der Bühne des Musikpavillons im „Palmengarten“ und versinke auch – im Glückstaumel. Und der Regen fühlt sich irgendwann nur noch wie Konfetti an.

Der sehr geschätzte Rocko Schamoni, Autor, Musiker, Entertainer und „schmutziger Heiliger“ hatte eine geniale Idee. Er wollte die „verschütteten Perlen der deutschsprachigen Musik“ aus der Vergessenheit erretten. Hierfür hat er auf der auf der Crowdfundingplattform „wemakeit.ch“ 2014 einen Aufruf gestartet und ganz offensichtlich genügend begeisterte Unterstützer gefunden. Denn nun ist er auf einer Mini-Tour durch Deutschland unterwegs mit Orchester, Sängerin und allem herrlichen Pipapo. Der Name ist Programm: „Die Vergessenen“. Aus der kollektiven Erinnerung ausradierte, deutschsprachige Songs, die von Rocko Schamoni sehr subjektiv ausgewählt wurden, um aus der Versenkung wieder oder auch erstmalig ins Rampenlicht gestellt zu werden. Neu und „schamonisch“ interpretiert und wie die durchgelatschten Lieblingsschuhe nochmal mit viel Liebe für den großen Auftritt blank poliert. So betrachtet muss man sofort ausrufen: „Die sind doch noch gut!“ Oh ja, die sind noch gut. Die Songs. Mehr als gut. Zeitlos. Melancholische und rebellische, aufrichtige kleine Perlen aus der dunkelsten Ecke des Dachbodens, die da sicher nicht hingehören.

Eine Station der Tour: Frankfurt (Danke, Rocko oder wer auch immer!). Und das vermeintlich steife Frankfurt kam und ließ sich von der Magie des Abends mitreißen. Ließ sich vom Regen nicht die Laune verderben. Im Gegenteil: Mit jedem vergessenen Song steigerte sich die Euphorie. Und ich fühlte mich als hätte man mir ein ganz besonderes Mix-Tape geschenkt. Am Anfang weiß man noch nichts von seiner Besonderheit. Man hört rein, ohne große Erwartungen und plötzlich denkt man: „Verdammt, ich liebe es!“ Und den Verschenkenden mag man plötzlich sogar noch mehr, weil diese Songs ihn so bewegt haben, dass er dachte, er muss sie unbedingt mit dir teilen. Auch eigene ebenfalls zu Unrecht vergessene Schamoni-Songs erklingen zuletzt und sorgen für wippende Hüften und Köpfe, ein breites Lächeln und dann trinkt man noch ein Wein und das Lächeln hält so lange an, dass es fast ein bisschen weh tut.

Die Vergessenen_Palmengarten

Dann ist es zu Ende. Nein! Es schallt „Zugabe!“ durch und aus der Menge, die sich nicht satthören kann und auf die Bühne kommt ganz spontan und etwas gerührt die vergessene Gruppe FSK, die ihren Song „Was kostet die Welt?“ (Anspieltipp!) mit Herrn Schamoni singt. Sie kamen wohl mal so vorbei, um sich das anzuhören und waren wohl selbst etwas überrascht sich plötzlich auf der großen Bühne wiederzufinden. Die Augen aller Beteiligten funkeln und ich denke: „Das ist nicht nur schön. Das bewegt mich.“ Und dann schallt es wieder „Zugabe!“ und Rocko Schamoni kommt mit dem Orchester erneut auf die Bühne und sagt, dafür hätten sie nichts vorbereitet und dann singen sie doch nochmal den Song „Das Zelt“ von der Band Jeansteam (nächster Anspieltipp!) und das geht so: „Mach Dich auf in die Welt, in ein anderes Land, wo es Dir gefällt, bis zum Rand und übers Meer, Dich hält hier nichts mehr …“ Die Härchen auf meinem Arm stehen auf für die Standing Ovation!

Das war der beste Tag der Woche, Erdbeeren für die Seele und ich freue mich jetzt schon auf die dazugehörige Platte, die im nächsten Jahr rauskommen soll. Ich werde die Vergessenen nicht vergessen.

   Rocko Schamoni_Vergessenen


Tegan and Sara rockten das Capitol

An manchen Klischees ist sehr wohl ein Funken Wahrheit. Wenn ein Frankfurter sich zum Beispiel nach Offenbach aufmacht, braucht er tatsächlich in der Regel einen guten Grund dafür. Einen verdammt guten, hatte ich am vergangenen Montag. Denn Tegan and Sara, die reizenden Zwillingsschwestern aus Kanada hatten einen Gig im Offenbacher Capitol. Das Konzert: sympathisch, emotional, humorvoll, schwül und heiß und aus musikalischer Hinsicht einfach magisch. Einer von diesem Abenden an denen man wahnsinnig froh ist, da zu sein, wo man gerade ist. Mittendrin. Verzaubert, verzückt, euphorisch.

Das Konzert war die perfekte Symbiose aus „alten“ Hits wie  „The Con“, „Nineteen“ oder „Number“ und neuen Songs wie meinem aktuellen Lieblingssong „Now I’m all messed up“ sowie „Closer“ und „Shock to your system“.  Tegan versprach „alle Songs“. Es würde ein langer Abend werden. 🙂 Das Versprechen sollten die Schwestern jedoch auf ihre Art tatsächlich halten, indem sie ein atemberaubendes Medley ihrer Songs spielten. Ein unvergessenes Highlight dieses Abends wird für mich auch Tegans „Where is Waldo?“ bzw. „Where is Tegan?“-Aktion bleiben. Tegan stürzte sich ins Publikum und ihre Freundin machte eine wunderbare Momentaufnahme von ihr mit dem gesamten Publikum, die die Schwestern am nächsten Tag in Instagram online stellten. Wer da war, kann sich nun selbst auf dem Bild suchen. 🙂 Tegan ist auf jeden Fall schnell gefunden. Schau mal hier: http://instagram.com/p/arPC1vGFfL/

Mein Fazit: großartige Band, tolle Livepräsenz und ein absolut geflashtes Publikum, dass mit seiner Begeisterung nicht sparsam umging. Wie erfrischend!

Wer das neue Album noch nicht kennt: „Heartthrob“ kann man sich auf der offiziellen Homepage von Tegan and Sara freundlicherweise komplett anhören: http://www.teganandsara.com/ Und ich bin mir sicher, beim einmaligen Anhören wird es nicht bleiben. Ich für meinen Teil, kann im Augenblick nicht genug davon bekommen und wie der Titel verspricht, sorgt es für jede Menge Herzklopfen. Insbesondere live oder wenn das nicht geht zumindest LAUT. Viel Spaß!

T-Shirt_Tegan and Sara