„Frankfurter Einladung“ oder Eine Kurzgeschichte kommt zur Welt

Im Herbst 2016 erschien eine Kurzgeschichte von mir in der Anthologie „Frankfurter Einladung“. Heute möchte ich ein wenig über das Buch, die Story und die Lesung erzählen.

Ein nicht unwesentlicher Teil meines Lebens spielt sich zwischen abgetippten Buchstaben ab. Beruflich aber auch privat spielen diese schwarzen lustigen Formen, die zusammengefügt zu Worten und Sätzen die Welt bedeuten und Geschichten erzählen können, seit jeher eine wichtige Rolle für mich. Auf der einen Seite die vielen Pressemitteilungen, Blogposts, Mailings, Texte aller Art, die ich im Laufe der Jahre beruflich geschrieben und übersetzt habe, auf der anderen Seite die Bücher, in die ich eingetaucht bin, die mich begleitet, verändert, bereichert, gestärkt und unterhalten haben. Wir kennen uns sehr gut – die Buchstaben und ich. Wir kennen uns in uns in allen Lebenslagen. Mal stehen sie klar und deutlich vor mir und ich jongliere mit ihnen bis sie einen Sinn ergeben, mal hat sie jemand anders schon so perfekt zu einer Erzählung arrangiert, dass ich sie nur noch ein wenig vor meinen müden Augen verschwommen tanzen lassen muss, damit sie sich in mein Kopf und Herz einbrennen.

Meine Flausen im Kopf sehen wie Buchstaben aus

Es ist somit wohl kaum verwunderlich, dass ich mir manchmal heimlich und manchmal nicht so heimlich gewünscht habe, Teil einer literarischen Veröffentlichung zu sein. Ich wollte, dass eine meiner Geschichten ganz „altmodisch“ in einem Buch gedruckt wird. Wenigstens einmal im Leben. Ich habe mir erträumt, dass jemand meine Geschichte liest und sie mag. Ich wollte das Buch verschenken und reinschreiben „für dich“. Ist das albern? Aber natürlich ist es das. Aber wer würde ernsthaft behaupten, dass eine Idee zwangsläufig schlecht ist, nur weil sie etwas albern ist.

Und so habe ich mich sehr gefreut, als ich erfahren habe, dass meine eingereichte Kurzgeschichte über das Gutleutviertel in die Anthologie „Frankfurter Einladung“ aufgenommen wurde und als das Buch dann 2016 zur Frankfurter Buchmesse erschienen ist.

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Anthologie „Frankfurter Einladung“

Über die Anthologie „Frankfurter Einladung“

Die Anthologie „Frankfurter Einladung. Erzählungen, Geheimnisse und Rezepte“, herausgegeben von Susanne Konrad, nähert sich den verschiedenen Stadtteil-Identitäten Frankfurts an – in Form von Gedichten, Essays und Kurzgeschichten. Und als kleinen Bonus obendrauf gibt es auch einige Rezepte aus Frankfurt, um die Stadt auch kulinarisch besser kennenlernen zu können.

Über meine Kurzgeschichte „Wo die guten Leute wohnen“

Viele der AutorInnen, die über die anderen Stadtteile geschrieben haben wohnen im Viertel, oder sind dort aufgewachsen. Das trifft auf mich und das Gutleutviertel nicht zu, also warum habe ich mich ausgerechnet für diesen Stadtteil entschieden? Im Grunde, weil mich die Widersprüchlichkeit des Gutleutviertels interessiert, das schick und schäbig zugleich ist, sein kontinuierlicher Wandel (typisch für Frankfurt), sein Hafen und seine multikulturelle Vielfalt (auch typisch für Frankfurt). Beim Schreiben habe ich aber, eben weil ich in genau diesem Stadtteil nie gelebt habe, bewusst die Perspektive einer „Fremden“ gewählt, die es das erste Mal erkundet und ihre Eindrücke gedanklich verarbeitet. In meiner Kurzgeschichte geht es also um eine junge Frau aus Polen, die in Frankfurt zu Besuch ist und sich im Gutleutviertel auf die Spur des Bruders ihres Großvaters begibt, der hier nach dem Krieg sein neues Zuhause gefunden hat.

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Ein Blick aufs Gutleutviertel

Der Größenwahn Verlag – eine bunte Frankfurter Institution

Die Anthologie wurde in dem kleinen und unabhängigen Frankfurter Größenwahn Verlag herausgebracht – Schwerpunktthemen des Verlags sind u. a. Migration und Integration. Das selbsternannte „Wolkenkuckucksheim der Verlage“ (großartig!) wurde 2009 von Sewastos Sampsounis gegründet.

Und wenn du dich fragst, Größenwahn… hat das nicht etwas mit dem legendären Café Größenwahn im Frankfurter Nordend zu tun? Ja, ganz recht. Dies ist nämlich die Geburtsstätte des Verlags. Sampsounis, u.a. Teilhaber des Cafés, beschrieb dieses Ereignis mal in einem Beitrag für das Deutschlandradio Kultur wie folgt: „Das Größenwahn hatte 30-Jahr-Feier. Wir haben überlegt, was können wir machen? Einen Gedichtwettbewerb. Und innerhalb von kurzer Zeit sind fast 100 Gedichte rausgekommen. Und damit die nicht verloren gehen, wollten wir ein Buch machen. Und weil wir eben größenwahnsinnig sind, haben wir uns entschlossen, einen eigenen Verlag zu gründen.“ Kann eine Verlagsgeschichte eigentlich besser beginnen?

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Cafe Größenwahn im Nordend

Lesung zur „Frankfurter Einladung“

Anlässlich der Veröffentlichung der Anthologie fanden von September 2016 bis Februar 2017 zahlreiche Lesungen statt, bei denen die Autoren des Buches in den Stadtteilbibliotheken Frankfurts ihre Geschichten persönlich präsentiert haben. Moderiert wurden die Veranstaltungen immer von der Herausgeberin Susanne Konrad, die ebenfalls Kurzgeschichten zu dem Band beigesteuert hat. Musikalisch untermalt wurden die Lesungen durch den Frauen-A-Capella-Chor „Klangspeisen“, serviert wurden köstliche „hessische Tapas“ aus dem Café Größenwahn.

Am Donnerstag, dem 19. Januar 2017 war es dann so weit. Als eine von fünf AutorInnen las ich meine Geschichte erstmals vor Publikum in der Bornheimer Stadtteilbibliothek vor. Einem meiner Lieblingsorte in Frankfurt, wie ich an dieser Stelle schon mal verraten habe. Und ja, es war voll und ja, ich war furchtbar aufgeregt. Kurz bevor ich auf die Bühne sollte, fühlte ich, wie mir das Blut in den Kopf schoss und das Herz für einen Moment aufhörte zu schlagen – doch auf Los ging es los und ich hatte schließlich sehr viel Spaß und alles lief gut. Ich werde mich immer gerne an diesen Abend erinnern. Insbesondere da es mich sehr glücklich gemacht hat, dass auch meine Familie und viele Freunde bei diesem besonderen Moment dabei waren und viele nette Menschen sich im Anschluss mit mir über meine Geschichte unterhalten wollten.

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Lesung in der Stadtteilbibliothek in Bornheim: ich (vor und während der Lesung) und der A-Capella-Chor „Klangspeisen“

Also, ein Erledigt-Häkchen mehr auf der Liste mit „wolkenkuckuckusheimartigen“ und aberwitzigen Träumen. Und das ist immer ein Grund zum feiern. Und jetzt, auf geht’s zur Verwirklichung weiterer alberner, großer, kleiner und noch so unwahrscheinlicher (aber vielleicht ja doch möglicher) Ideen.

Das Buch kann man übrigens bei allen Buchhandlungen und Buch-Onlinehändlern kaufen – oder auch direkt beim tollen Größenwahn Verlag.

Frankfurter Einladung. Erzählungen, Geheimnisse und Rezepte
Hg. von Susanne Konrad
Größenwahn Verlag, September 2016
250 Seiten
Taschenbuch
€ 16,90

PS: Weitere Kurzgeschichten von mir gibt es regelmäßig bei „StoryCorner“, einem kostenlosen WhatsApp-Dienst für Deutschlerner. Jede Woche erhalten die Abonnenten eine neue Mini-Story von immer wechselnden Autoren. Dabei wird von Mo-Fr jeweils ein kleiner Happen der Story via WhatsApp versendet. Probier es aus oder empfehle es gerne deinen Freunden, die gerade Deutsch lernen.

Ode an Frankfurt. Graffiti an der Kleinmarkthalle

Graffiti-Kleinmarkthalle-Frankfurt am MainDas zweitlängste* Graffitis Frankfurts wurde im April 2016 enthüllt. Es befindet sich an der Kleinmarkthalle in der Innenstadt und zeigt vieles was Frankfurt ausmacht „im Schnelldurchlauf“: vom Ebbelwoiexpress bis zur Grünen Soße.

Der Schriftzug „Frankfurt“ steht in der Mitte, eingerahmt von Heinz Schenk und Goethe. Jeder Buchstabe steht symbolisch und gestalterisch für etwas typisch frankfurterisches: den Frankfurter Zoo, den Bembel, den Römer, den Palmengarten, den Frankfurter Kranz, das Senkenbergmuseum, den Flughafen, die Frankfurter Rundschau und die Europäische Zentralbank. Dem eigentlich häßlichen Parkplatz und Hinterhof wurde so eine Seele geschenkt – bunt, vielfältig  und voller Liebe für die Stadt am Main.

Kreiert wurde das Kunstwerk von der Offenbacher Agentur artmos4, die sich das Motto „Wir sprühen vor Ideen“ auf die Fahne geschrieben hat.

Graffii-Kleinmarkthalle-Frankfurt am Main-Grüne Soße_Fotor

Frankfurter-Adler-Kleinmarkthalle

*Das längste Graffiti Frankfurts befindet sich übrigens am Busbahnhof am Frankfurter Flughafen und wurde von Bomber gestaltet. Bilder dazu kann man im Blog „Stadkind FFM“ bewundern. Danke für den Hinweis Stadtkind.

Menschen im Bahnhofsviertel. Fotografien von Ulrich Mattner

Was prägt einen Stadtteil? Was bestimmt seinen Charakter? Die Antworten können sehr vielfältig ausfallen: Das Gesicht eines Stadtteils formt sich durch seine Geschichte, seine Architektur, seine kulturellen Räume, Kneipen, Restaurants, Parks, seinen Ruf – aber vor allem durch die Menschen, die vor Ort leben und arbeiten.

Der Fotograf und Journalist Ulrich Mattner lebt seit 6 Jahren im Frankfurter Bahnhofsviertel. Seine Fotoausstellung „Menschen im Bahnhofsviertel“ in der Kaiserpassage zeigt aktuell eine Auswahl seiner Porträts von Persönlichkeiten aus diesem „Milieu der Kontraste“. Die grobkörnigen Schwarz-Weiß-Fotografien sind spontane Momentaufnahmen, stark und authentisch. Von der Stripperin bis zum Türsteher, von lokalen Händlern bis zu einer Bettlerin – man spürt, dass sich hinter jedem Bild eine Geschichte verbirgt und der Betrachter ihr zumindest einen Wimpernschlag lang lauschen darf.

(c) Ulrich Mattner, Menschen im Bahnhofsviertel

©Ulrich Mattner

Die Ausstellung ist als eine Street-Gallery mitten im Kiez gestaltet. Bei einem Rundgang durch die Kaiserpassage, einer aus den 1970er Jahren stammenden Einkaufspassage, die die Kaiser- mit der Taunusstrasse verbindet, stößt man direkt auf die meist in Vitrinen hängenden 33 Fotografien.
Ulrich Mattner bietet übrigens auch sehr spannende Touren durch das Bahnhofsviertel an. Ich habe selbst schon an einer teilgenommen und kann es wirklich sehr empfehlen.

Die Ausstellung „Menschen im Bahnhofsviertel“ wird noch bis zum 25. März 2016 in der Kaiserpassage (Kaiserstraße 62) zu sehen sein. Sie ist täglich, außer sonntags, von 9-20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Goodbye, British Bookshop!

Seit 1956 existiert der British Bookshop in Frankfurt. Jetzt, im Jahr seines 60-jährigen Jubiläums, schießt der Laden in der Börsenstraße 17. Frankfurts Institution für englischsprachige Literatur hat nur noch bis zum Freitag, dem 12. Februar geöffnet und verkauft seine übriggebliebenen Papierschätze nun für 2 bis 5 Euro. Als Grund werden auf der Homepage umfassende Renovierungsarbeiten an dem Gebäude, in dem sich der Bookshop befindet, genannt. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt jedoch, denn dort heißt es auch, sollte man eine andere Location finden, könnte es mit dem British Bookshop eventuell weitergehen. Ich drücke die Daumen. Ohne diesen gemütlichen Laden, der sich das Motto „Your Independent Choice“ auf die Fahne geschrieben hat, wird Frankfurt ein Stück Kulturleben fehlen.

Fahrrad_BritishBookshop_FFM

Ich kann es mir auch nicht verkneifen an dieser Stelle eine Lanze zu brechen für all die kleinen, wundervollen, inhabergeführten Buchhandlungen, die eine eigene Persönlichkeit, eine eigene Geschichte haben. Zu den schönsten Dingen im Leben gehört es für mich in genau diesen Buchhandlungen in Frankfurt und dem Rest der Welt die Zeit zu vergessen, in Literatur abzutauchen, nur um den Laden irgendwann breit lächelnd mit neuen „Entdeckungen“ zu verlassen. Damit das auch so bleiben kann, finde ich es so wichtig den (lokalen) Indie-Buchhandel zu unterstützen und Bücher nicht – oder so wenig wie möglich – online zu bestellen, was tatsächlich für mich persönlich überhaupt kein Opfer darstellt. Ganz im Gegenteil. Wenn ich in meiner Stammbuchhandlung Schutt ein Buch bestelle (per E-Mail, Telefon, App, persönlich) ist es in der Regel am nächsten Tag ab 10 Uhr da. Ich kann es dann in den nächsten Tagen abholen, wann immer es mir passt und muss nicht bei der Post oder einer Packstation dafür anstehen – nein, stattdessen statte ich dem gemütlichen Büchermeer einen kleinen Besuch ab und führe einen netten Plausch mit den Buchhändlerinnen.

Schild_British Bookshop
Viele Menschen meinen ihre hübsche Buchhandlung um die Ecke kann sich „auch so“ halten. Was macht es da schon, dass man aus Bequemlichkeit online beim üblichen Verdächtigen bestellt? Aber da leider sehr viele so denken, sterben die kleinen Buchhandlungen weiter aus und das empfinde ich wirklich als großen Verlust. Denn ein Stadtbild ohne sie wäre – sicher nicht nur für mich – ein unglaublich trauriges Szenario. Deshalb, liebe Bücherfreunde – es ist so leicht: Support your indie bookstore. ❤ Einfach so oft es eben geht.