Literarische Orte in Frankfurt: Dichterviertel im Dornbusch

Dichterviertel-Frankfurt-Straßennamen

In Frankfurt gibt es zahlreiche interessante literarische Orte. Man denke z. B. nur an das imposante Literaturhaus Frankfurt, in dem die unterschiedlichsten Lesungen und Gesprächsrunden stattfinden und das einst die alte Stadtbibliothek Frankfurts beherbergte, die im zweiten Weltkrieg bis auf den Portikus zerstört und erst um 2003 rekonstruiert wurde, um 2005 zum neuen Domizil des Literaturhauses zu werden.

Dann gibt es da natürlich noch das Goethe-Haus in der Innenstadt, Geburtsort des großen Dichters, die Deutsche Nationalbibliothek sowie das Haus des Stadtteilschreibers von Bergen-Enkheim, das seit 1974 jedes Jahr von einem neuen Gewinner/einer neuen Gewinnerin des renommierten Literaturpreises für deutschsprachige Autoren („Stadtschreiber von Bergen“) bezogen wird – da die Auszeichnung neben einem Geldpreis auch ein Jahr kostenfreies Wohnen im Stadtschreiberhaus umfasst. Zu den Gewinnern und somit Bewohnern gehörten bereits bekannte literarische Größen wie Wolfgang Koeppen, Robert Gernhardt, Ulla Hahn, Jurek Becker, Herta Müller, Eva Demski, Peter Kurzeck u.v.m.

Kleiner Spaziergang durchs Dichterviertel

Und dann gibt es noch das Dichterviertel im Stadtteil Dornbusch. Dieser Name betört schon durch seinen Klang. Das 1910 gegründete Stadtviertel, das so heißt weil alle Straßen darin nach Dichtern und Schriftstellern benannt sind (und nicht etwa weil dort nur Dichter wohnen), ist auch optisch sehr reizvoll und mit seinen zahlreichen Villen im Stil der Gründerzeit und des Jugend- und Bauhausstils somit ideal zum Flanieren geeignet. Dort findet man nicht nur Straßen, die z. B. nach den SchriftstellerInnen Franz Kafka, Ricarda Huch, Selma Lagerlöf, Franz Grillparzer oder August Heinrich Hoffmann von Fallersleben benannt sind, sondern auch Hinweise zu zwei der bekanntesten ehemaligen Bewohnern des Viertels: Marcel Reich-Ranicki und Anne Frank.

Marcel-Reich-Ranicki-Gedenktafel-Frankfurt

Auf Spurensuche: Marcel Reich-Ranicki und Anne Frank

Der 2013 verstorbene Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, dessen Biographie „Mein Leben“ ich wärmstens empfehlen kann, wohnte knapp 40 Jahre mit seiner Ehefrau Tosia im Dichterviertel. Eine 2016 aufgestellte, schlichte und freistehende Gedenktafel aus Edelstahl an der Ecke Gustav-Freytag- und Fritz-Reuter-Straße erinnert daran mit dem Zitat Reich-Ranickis „Literatur ist meine Heimat“ sowie dem Schriftzug: „In diesem Hause lebten von 1974 bis 2013 der Literaturkritiker und Autor Marcel Reich-Ranicki und seine Ehefrau Teofila.“

Anne-Frank-Gedenktafel-am-Haus-Frankfurt

Nicht weit davon entfernt, in der Ganghoferstraße, steht der Spaziergänger dann auch schon vor dem Haus der weltberühmten Tagebuchschreiberin Anne Frank, die in Frankfurt geboren und im KZ Bergen-Belsen von den Nazis ermordet wurde. In diesem Haus lebte die Familie Frank von 1931 bis zur Emigration 1934. Die Tafel aus Bronze wurde 1957 anlässlich des 28. Todestages von Anne Frank direkt am Haus angebracht. Eine kleinere Tafel am Zaun des Hauses schmückt außerdem ein Zitat Anne Franks: „Die endgültige Formung seines Charakters hat jeder selbst in der Hand.“

Anne-Frank-Frankfurt-Gedenktafel.jpg

Erster Anne Frank-Tag in Frankfurt

Apropos! Am 12. Juni wird zum ersten Mal der Anne Frank-Tag in Frankfurt begangen – mit zahlreichen Veranstaltungen und Kunstaktionen. Anne Frank wäre an diesem Tag 88 Jahre alt geworden. Auf der Webseite der Bildungsstätte Anne Frank (ebenfalls im Dornbusch angesiedelt), auf der auch das dazugehörige Programm zu finden ist, heißt es zum thematischen Rahmen: „An dem Zitat aus einer Kurzgeschichte der damals 14-jährigen Anne Frank möchten wir uns am ersten Anne Frank-Tag orientieren. Wir wollen es heute als Aufruf an uns alle lesen, sich für eine bessere und gerechtere Gesellschaft einzusetzen.“ Das wunderbare Zitat lautet: „Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu ändern!“

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