Philippe Petits Seiltanz über Frankfurts Dächern

Es war der 7. August 1974. Die Passanten in Lower Manhattan starrten ungläubig hinauf in den Himmel. Hinauf zu den World Trade Center Twin Towers und was sie sahen, erschien so manchem sicher wie eine Fatamorgana oder … wie Poesie pur. Denn dort oben, 110 Stockwerke hoch, spazierte ein Mann leichtfüßig, bedacht und konzentriert auf einem Seil von einem Turm zum anderen. Ein bewegendes Bild und ein Ereignis, das in die Geschichte eingehen sollte als das „künstlerische Verbrechen“ des 20. Jahrhunderts. Denn Philippe Petit, der französische Hochseilartist, damals 25 Jahre alt, hatte keinerlei Genehmigung für diesen artistischen Clou. Er hatte die Verwirklichung dieses Lebenstraums jedoch von langer Hand geplant, und obwohl er im Anschluss direkt verhaftet wurde, hat New York ihm „sein Verbrechen“ nicht wirklich übel genommen.

Der Dokumentarfilm „Man on Wire“ von 2009 rekonstruierte später die Geschichte durch Interviews und Originalaufnahmen und wurde dafür mit einem Oscar ausgezeichnet. Die Geschichte ist so spektakulär, dass es eigentlich nur eine Frage der Zeit war, bis jemand sich ihrer annimmt und einen Spielfilm daraus zaubert. Gestern kam der Film „The Walk“, der auf diesen Ereignissen beruht, in die deutschen Kinos und ich kann es kaum erwarten ihn zu sehen – wohlgemerkt obwohl ich Höhenangst habe und er in 3D ist.

Weit weniger bekannt aber ebenfalls spannend ist Philippe Petits Seiltanz in schwindelerregenden Höhen in Frankfurt am Main, 20 Jahre später. Zum 1200 Jahresjubiläum der Stadt vollführte Phillippe Petit einen atemberaubenden (und legalen) Hochseilakt zwischen der Paulskirche, dem Ort an dem die deutsche Demokratie 1848 ihren Ursprung hatte und dem Kaiserdom, der Krönungsstätte der deutschen Kaiser. 500.000 Menschen waren am 12. Juni 1994 in Frankfurt dabei und schauten gebannt zu.

Auf dem YouTube-Channel von „AP Archive“ habe ich diese Aufnahmen aus Frankfurt gefunden:

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5 Gedanken zu “Philippe Petits Seiltanz über Frankfurts Dächern

    • Ja, absolut! Er hat mich total umgehauen. Für mich, neben „Finding Vivian Maier“, die beste Doku, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Cool, dass er Dir auch gefällt. 🙂

  1. Schöne Erinnerung. Wirkte eher nachdenklich-poetisch als sportlich-akrobatisch. Alle haben es mit eigenen Augen gesehen, aber so richtig glauben konnte man es hinteher selber nicht.

  2. Pingback: Blogs im Oktober 2015 | STADTKIND

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