Selbstgemachte Heimatgefühle.

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Zitate zu Frankfurt. Jeden Tag anders.

Zitate zu FrankfurtDie Altstadt wächst, der HenningeBausteller-Turm ist verschwunden, die Batschkapp ist umgezogen, die EZB wurde eröffnet, die Großmarkthalle geschlossen, die Zeilgalerie wird abgerissen, der AfE-Turm wurde gesprengt und ich werde seit Wochen jeden Morgen von den „sanften“ Klängen der lärmenden Baustelle vor meiner Haustür geweckt. Jap, diese Stadt ist jeden Tag anders und in einem ständigen Neuerfindungsmodus. Und darum geht es auch im heutigen Zitat von Eva Demski aus dem Buch „Frankfurt ist anders“:

„Frankfurt ist anders, jeden Tag. Wenn Sie das lesen, hat es sich schon wieder verändert. Auch das ist eine Art Verläßlichkeit.“

Ich bin so froh, dass auch die Arbeiter auf der Baustelle nun in ihren verdienten Feierabend starten. Ich spitze die geplagten Ohren und ohne das Gebohre, Gegrabe und Geklopfe klingt der übliche Krach der Stadt plötzlich fast wie … Ruhe.

Mehr Zitate zu Frankfurt gibt es jede Woche auf meiner Facebook-Seite. Ich freue mich auf Deinen Besuch.

„Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten“. Motzen auf hohem Niveau.

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Es darf geschimpft werden.
Das Nörgeln über Frankfurt hat eine lange Tradition. Die Mutter von Goethe hat’s getan und behauptet die „berühmte“ Stadt habe große Häuser und kleine Köpfe. Arthur Schopenhauer hat über die „innerlich rohen“ Frankfurter geschimpft und sich hier trotzdem heimisch eingerichtet. (Die Gesellschaft seines Pudels Atman war ihm aber wohl ohnehin lieber als die der Menschen.) Der Publizist Ludwig Börne urteilte, Frankfurt wäre ein „spießiger Krähwinkel“. Und als ich vor einigen Jahren als „Eingeplackte“ einige Einheimische nach der Beziehung zu Ihrer Heimatstadt Frankfurt fragte, war das Wort, das am häufigsten in diesem Zusammenhang fiel: Hassliebe.

Ich habe es nie als Widerspruch empfunden, die Stadt einerseits zu mögen und zugleich über die eine oder andere ihrer Eigenheiten oder Hässlichkeiten zu mosern. Und die waschechten Frankfurter haben mich dafür nie mit einem schiefen Blick gestraft. Ganz im Gegenteil: Sie haben noch viel kräftiger ausgeteilt als ich. Motzen über Frankfurt ist in Frankfurt also erlaubt und das oft obwohl und vielleicht auch, weil so viel Leidenschaft für die Stadt im Spiel ist. Auch wieder so eine Eigenheit, die Frankfurt in meinen Augen auszeichnet.

Heute schon eine Wegsehenswürdigkeit entdeckt?
Im September 2014 erschien die Anthologie „Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten“, bei der auch stürmisch gemeckert wird über die Mainmetropole – aber ganz in Frankfurter Manier, mit feinem Sinn für Humor. Die Herausgeber Stefan Geyer und Jürgen Roth haben verschiedene Autoren gebeten „jeweils eine, in ihren Augen ausnehmend abscheuliche oder absonderliche Frankfurter Schattenseite zu begutachten und zu bedichten, zu beklagen, zu verfluchen, frei im Tonfall, elegisch, polemisch, nonsensartig, abwägend, wie auch immer.“ Dabei musste es sich bei der „Wegsehenswürdigkeit“ nicht unbedingt um ein architektonisches Ungetüm handeln, genauso gut konnte eine Gepflogenheit oder kulinarische Abwegigkeit in die Mangel genommen werden. Zu den Autoren, die das Wort ergreifen, zählen u. a. Eva Demski, Andreas Maier, Eckhard Henscheid, Oliver Maria Schmitt und Leo Fischer.

Und was ist dabei rausgekommen? Etwa ein Bashing-Buch, das den Leser dazu antreibt unverzüglich die Koffer zu packen und diese schreckliche Stadt zu verlassen? Was mich angeht, kann ich das ganz klar verneinen. Die geballte Ladung „Wegsehenswürdigkeiten“ auf dem Papier hat Frankfurt für mich nicht verdorben, sondern merkwürdigerweise noch sympathischer gemacht. Komisch. Ich habe wohl ein Faible für das Unperfekte und … man unterschätze nie die befreiende Ventilfunktion des Motzens und Lachens!

Schöne, scheußliche Beobachtungen.
Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen der 42 Beiträge, die originell, sehr persönlich, witzig und voller hervorragender und treffender Beobachtungen waren. Oft habe ich laut gelacht und innerlich zugestimmt. Zum Beispiel wenn Tilman Birr, hin und hergerissen, versucht zu erklären warum er die Siedlung Römerstadt „potthässlich“ findet aber auch „okay“ – zumindest wenn die Sonne scheint. Oder wenn Dirk Braunstein ein Horrorszenario schildert, bei dem er ein LAN-Kabel im Einkaufsparadies „MyZeil“ kaufen muss und gleichsam das Gefühl hat in den Strudel der Verdammnis zu geraten, an den ihn übrigens auch das berühmte Loch in der Fassade erinnert. Oder Stefan Geyers scharfer Blick auf den Roßmarkt – die verschenkte Mitte der Stadt. Wie wahr!

Der Text der Historikerin Silke Wustmann ist für mich aber das Tüpfelchen auf dem i, das die Anthologie wunderbar abrundet. Auf ca. einer Seite erklärt sie, warum sie keinen Text über eine „Frankfurter Wegsehenswürdigkeit“ schreiben kann. Die Antwort in Kurzform ist: Liebe. Denn auch wenn dem Blick der Autorin die scheußlichen Merkmale anderer Städte nicht entgehen, verhält es sich mit Frankfurt anders: „Denn in Frankfurt sind das keine ‚Schandflecken‘, o nein – es sind wahlweise ‚alte Narben‘ oder ‚offene Wunden‘, die auf die ‚bewegte Vergangenheit‘ oder die ‚aufregende Gegenwart‘ der Stadt hinweisen und daher unbedingt sehenswürdig sind. So ist das nämlich, wenn man verliebt ist, wenn der Wohnort zum Herzensort geworden ist.“

Eine Perspektive, die mir ebenfalls sehr gut gefällt. Ich kann sie verstehen. Je länger ich hier wohne, desto mehr.

Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten
Stefan Geyer, Jürgen Roth (Hg.)
Waldemar Kramer Verlag, 2014
224 Seiten
Broschiert / Preis: € 16,90

Zitate zu Frankfurt. Mainhattan vs. Manhattan.

Zitate zu FrankfurtEs gibt Menschen –Heimatkunde Michael Herl allerdings meines Wissens nach, nicht sehr viele – die Frankfurt gerne als „Mainhattan“ bezeichnen. Natürlich liegt es an der Skyline, die in dieser Form keine andere deutsche Stadt vorweisen kann. Dennoch – die wortspielerische Anlehnung an New York City  ist ein bisschen zu viel der Ehre für das kleine Metropölchen am Main. „Mainhattan“ ist eben nicht Manhattan. Da kann man sich nichts schön reden. Macht nichts. Denn Frankfurt ist auf seine Art liebenswert. Warum, beschreibt zum Beispiel sehr unterhaltsam Michael Herl in seinem Buch „Heimatkunde Frankfurt“. Eins meiner Lieblingsbücher zu meiner Wahlheimat. Daraus stammt auch das nächste Zitat zu Frankfurt, dass ich gerne teilen möchte. Bitteschön:

„Wenn Sinatra über New York sang, dass diese Stadt niemals schlafe, so gilt das für Frankfurt ganz und gar nicht. Frankfurt pennt gerne und viel. Doch wenn man es wachküßt, dann geht es ab. Man muß halt wissen wie. Frankfurt muss man tausendmal berühren, bis es irgendwann ‚Zoom‘ macht.“ (Michael Herl)

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