Happiness is having your own library card

Gibt es einen Ort für Dich an dem Du Dich immer, wirklich immer, wohlfühlst? Für mich war, ist und bleibt es die Bücherei. In einer neuen Stadt fühle ich mich erst richtig zu Hause, wenn ich einen Ausweis der örtlichen Bibliothek besitze. Als ich nach Frankfurt gezogen bin und mich in der Stadtteilbücherei in Bornheim angemeldet habe, ging ich anschließend mit einem breiten Grinsen, leuchtenden Augen und einen viel zu hohen Stapel Bücher nach Hause und dachte: „Jetzt bin ich hier wirklich angekommen.“

Als ich das erste Mal nach New York gereist bin, habe ich mir einen Bibliotheksausweis in der New York Public Library ausstellen lassen. Ich habe mich im Big Apple so heimisch gefühlt – ich musste es tun, auch wenn es keinen Sinn gemacht hat. Für mich war es wie ein Versprechen, dass ich wiederkommen würde, nach New York und in die Library.

Stadtteilbibliothek Bornheim

Wissenshunger? Geh in die Bibliothek.
Um ehrlich zu sein, bin ich jedes Mal aufs Neue überwältigt von der Institution Bücherei. Nicht nur weil Räume, die mit Büchern vollgestellt sind, eine entspannende und beglückende Wirkung auf mich haben, sondern auch weil mir all das dort beheimatete Wissen offen steht. Einfach so. Egal ob ich nun Geld habe oder nicht, ich kann 100 Bücher und mehr im Jahr lesen, wenn ich das möchte (oder vielmehr zeitlich schaffe). Gegen einen kleinen Jahresbetrag – in Frankfurt sind das 16,- Euro – kann ich ganz ohne Einschränkung jedes Buch, jede CD, jede DVD ausleihen oder über das OPAC erst einmal vorbestellen. Was für eine Errungenschaft der Zivilisation!

Fundstücke zwischen den Seiten.
Ich finde es aber nicht nur schön zwischen den Bücherregalen zu schlendern und nach dem nächsten „Buchschatz“ Ausschau zu halten, sondern auch Spuren und Nachrichten meiner „Vorgänger“ darin zu entdecken. Mit Bleistift angestrichene Sätze, ein Bahnticket, dass als Lesezeichen gebraucht wurde (wohin ging die Reise?) oder eine kurze Notiz, die jemand reingelegt hat. All das gibt mir einen Wimpernschlag lang, einen kleinen Eindruck von der Person, die vor mir das Buch in den Händen gehalten hat.
In der Graphic Novel „Zweite Generation“, die ich kürzlich in der Zentralbibliothek ausgeliehen habe, fand ich z.B. eine kurze Notiz auf einem beigelegten Zettel: „Liebe b, tolles Buch, habe ich gestern abend gelesen + angeschaut. Auch zum Thema autobiographisches Schreiben. Gruß, i.“ Die Antwort in roter Schrift: „Stimmt! Danke! b.“ Wer wohl „b“ ist? Hat da die Bibliothek etwa höchstpersönlich geantwortet? 😉

Notiz im Buch_CollageForgotten Bookmarks
Der Besitzer eines Buchantiquariats, Michael Popek, führt zu dem Phänomen „vergessene Dinge in Büchern“ übrigens einen eigenen faszinierenden Blog mit dem Namen „Forgotten Bookmarks“. Hierfür fotografiert der Buchhändler all die spannenden Dinge, die er in den alten Büchern findet, die er tagtäglich einkauft und verkauft: Lesezeichen, Rezepte, Fotos, Briefe, alte Lotterielose, Notizen, die Geschichten erzählen und die Fantasie anregen. Sehr spannend und inzwischen auch als Buch erhältlich.

Stadtteilbibliothek in Bornheim wiedereröffnet.
Aber lange Rede, kurzer Sinn: Ich liebe Bibliotheken. Ein Bibliotheksausweis ist für mich eine Eintrittskarte ins Abenteuer. Daher war es für mich auch eine ganz schön harte Geduldsprobe, als die Stadtteilbibliothek in Bornheim für viele Monate wegen Renovierungsarbeiten geschlossen wurde. Ich wich zwar immer mal auf die Zentralbibliothek aus und kaufte viel mehr Bücher als sonst, aber ich vermisste die Bibliothek „um die Ecke“. Diesen Dienstag, am 14. April, hat die Stadtteilbibliothek in Bornheim nun endlich wieder ihre Türen für die Bücherwürmer von „Bernem“ geöffnet. Ich habe meiner „guten Freundin“ sogleich einen Besuch abgestattet und bin sehr angetan. Ich finde, dass die Bücherei nun noch besser strukturiert ist, farbenfroher und aufgeräumter wirkt und dabei trotzdem und glücklicherweise ihren alten Charme beibehalten hat.

Bibliothek Bornheim_Flyer_Collage

Was bedeutet Dir Dein Bibliotheksausweis? Besitzt Du einen? Noch nicht? Als Frankfurter_in kannst Du hier gleich schauen, wo eine Bücherei in Deiner unmittelbaren Nähe zu finden ist und dies nachholen. Ich kann es Dir nur ans Herz legen. Und wenn Du mich suchst … es könnte gut sein, dass Du mich in der Bibliothek findest.

Bibliotheksausweis_FFM

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7 Gedanken zu “Happiness is having your own library card

  1. Ganz, ganz wundervoller Block! Jetzt weiß ich wieder, was ich an meinem Beruf so liebe! Vielen Dank dafür!
    P.S.: Die Jahresgebühr beträgt allerdings 16 Euro!

    • Liebe Nicole, vielen Dank für Deinen lieben Kommentar. Da geht mir das Herz auf. Ich freue mich sehr darüber. 🙂 Und danke für den Hinweis zur Jahresgebühr! Das hat mir meine Erinnerung wohl einen Streich gespielt. Ich passe es gleich mal an.
      Anette

  2. Da geht es mir wie Dir; meine Stadtbibliothek ist für mich fester Bestandteil in meinem Leben. Schon als Kind habe ich mir gerne Bücher ausgeliehen. Und das ist heute wie früher immer wieder ein Glücksgefühl für mich.
    LG Marion

  3. Wie ich ja bereits berichtet habe, bin ich nun auch (wieder) STOLZE Besitzerin eines Bibliotheksausweises und hinterlasse dir diese Nachricht auch direkt aus der Bücherei in Sachsenhausen. 🙂 Ist meine erste Woche (nach etwa 15 Jahren die ich irgendwie – wie nur?!?! – ohne Ausweis überlebt habe) und bereits mein dritter Besuch hier.
    Ich freu mich auf gemeinsame Touren durch alle Büchereien Frankfurts mit dir! 😉

    • Darauf freue ich mich auch! 🙂 Schön, dass Du die Bibliothek für Dich wiederentdeckt hast. Das ist der Beginn… ähm die Fortsetzung … einer wunderbaren Freundschaft. 🙂

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