Ausstellung: „Ich sehe wunderbare Dinge“

Meine Freunde und ich wollten als Kinder immer einen Schatz finden. Der Gedanke eine Karte zu entdecken, die uns zu einer alten Kiste mit geheimnisvollem Inhalt führen würde, faszinierte uns. Da uns unerhörterweise nie eine Schatzkarte in die Hände gefallen ist, haben wir schließlich selbst irgendein Krimskrams, der für uns damals von Wert war, in einem Karton verbuddelt und krakelig mit Bunt- und Filsstiften eine Karte dazu gemalt. Die haben wir dann versteckt und jeden Tag nachgeschaut, ob sie schon jemand gefunden hat. Wir fanden es unheimlich aufregend, aber bedauerlicherweise interessierte sich sonst niemand für unser großes Geheimnis und so geriet es schließlich in Vergessenheit.

Dennoch: Die Jahre vergingen, aber die Neugier und Lust auf Entdeckungen blieb und so stolperte ich kürzlich über einen ganz besonderen Schatz, gar nicht weit von hier. Einmal über die Friedensbrücke, dann links und dann immer der Nase nach. Dort findet ihr den Eingang ins Museum Giersch, wo gerade die Ausstellung „Ich sehe wunderbare Dinge“ zu bestaunen ist. Traut euch rein! Es lohnt sich. Beim Betreten muss man zwar keine Spinnweben mit dem Säbel aus dem Weg räumen, kann aber ein Glücksgefühl genießen, wie es nur Abenteurer verspüren, die gerade den Zugang in eine geheimnisvolle, spannende Welt entdeckt haben.

„Ich sehe wunderbare Dinge“, soll Howard Carter bei der Entdeckung des Tutanchamun-Grabes ausgerufen haben. Und ich muss gestehen, es ist keinesfalls zu hoch gegriffen, sich dieses Zitats zu bedienen, um die Ausstellung zur 100-Jahresfeier der Goethe-Universität zu beschreiben, die erstmals einen Einblick in die über 40 Sammlungen der Universität ermöglicht. Vom JugendKulturArchiv bis zur Sammlung des Neurologischen Instituts. Die 400 präsentierten Objekte aus den unterschiedlichen medizinischen, naturwissenschaftlichen und geistes-wissenschaftlichen Bereichen umfassen Kostbarkeiten aus aller Welt, wie den ältesten Nachweis eines Menschen – einen 2,4 Millionen Jahre alten Unterkiefer aus Afrika, Arthur Schopenhauers Sofa, Mangas, Hirnschnitte, Dokumente zu den Auschwitz-Prozessen, historische Kinderbücher, Fragebögen aus dem Archiv für Sozialforschung, Dokumente von Studentendemonstrationen, Zigarettenbildchen mit Filmstars, die meine Generation nur aus Erzählungen kennt. Und, und, und … Gerade die Vielfalt und das kunterbunte Durcheinander aus Themen und Jahrzehnten, macht den Reiz dieser Ausstellung aus.

Ich möchte gar nicht zu viel verraten, nur allen Neugierigen ans Herz legen: Schaut es euch an! Bis zum 8. Februar 2015 habt ihr Gelegenheit dieses Universalmuseum auf Zeit in Frankfurt zu bewundern. Also GoogleMaps an und auf zur Schatzkammer!

wunderbare dinge Museum Giersch - Google Maps