„5-Year Journal“. Tagebuchschreiben für Eilige.

Als Teenager war ich eine leidenschaftliche Tagebuchschreiberin. Eine ganze Kiste mit vollgeschriebenen Journalen in allen Farben und Mustern hat sich im Laufe der Jahre bei mir angesammelt. Auch wenn ich nur selten wieder reinschaue, weiß ich, dass mir das Schreiben immer sehr gut getan hat. Die Erlebnisse und Gedanken auf Papier einzufangen und zu ordnen. Nur für mich. Manchmal wirkt das Wunder. Für das Tagebuchschreiben braucht man Mut zur Ehrlichkeit und auch Achtsamkeit. Ich schrieb mein Tagebuch aus dem Wunsch heraus mich und die Welt etwas besser zu verstehen und aus der puren Freude am Scheiben. Irgendwann schrieb ich immer seltener in mein Büchlein, bis ich diese Gewohnheit klammheimlich und ohne es richtig zu merken ganz aufgegeben hatte. Dafür gab es sicher so manche Gründe, ein entscheidender war aber, dass mir plötzlich die Zeit dafür fehlte. Aber auch das Schreiben fehlte mir! Ein Dilemma.

Letztes Jahr habe ich einen Weg gefunden, das Tagebuchschreiben wieder aufleben zu lassen für nur etwa 5 Minuten pro Tag. Und das war so: In der Buchhandlung „Barnes & Noble“ in New York entdeckte ich das „5-Year Journal“ in unterschiedlichen Varianten. Das Prinzip: Jeden Tag über 5 Jahre hinweg etwa 3 Zeilen des Büchleins zu füllen. Jeder Tag hat eine eigene Seite, die unterteilt ist in 5 Jahre. Das schaffe ich, dachte ich mir. Eine klasse Idee! Also blieb nur noch die Qual der Wahl. Welche Ausgabe sollte es sein?

Die Variante „Glückstagebuch“ fiel raus. Es käme mir so gezwungen vor jeden Tag nach einem glücklichen Augenblick zu forschen, den ich beschreiben kann. Auch wenn man vielleicht sogar täglich fündig werden würde und das positive Denken damit fördern könnte, es wäre am Ende kein wirkliches, sondern ein schöngeredetes Abbild der Jahre.

Ich entschied mich für die Jane Austen-Variante („Jane-a-Day“), schlicht, weil ich sie hübsch fand. Hier lautet die Aufgabe, zu einem Zitat von Jane Austen täglich die eigenen Gedanken niederzuschreiben. Bei allem Respekt für Jane Austen und ihre wundervollen Worte und Geschichten, das war auch nichts für mich. Ich schreibe daher einfach jeden Tag einen kleinen Geistesblitz auf in meinem „Jane-a-Day“ oder erwähne ein Erlebnis, das mich beschäftigt hat – im besten oder schlechtesten Sinne. Ohne „Regeln“. Das funktioniert ganz gut. Außerdem habe ich mir die „Question & Answer a day“ Variante des Journals dazu gekauft, bei der mir täglich eine Frage gestellt wird. Welches Buch ich zuletzt gelesen habe, wem ich mich nahe fühle oder was mich an dem Tag zum Lachen gebracht hat und so weiter.

Nun führe ich beide Tagebücher seit einem Jahr und merke, dass es jetzt richtig spannend wird und es sich gelohnt hat „dranzubleiben“. Manchmal waren die 3 Zeilen deutlich zu wenig, um „alles“ zu sagen, manchmal tatsächlich zu viel. Das Entscheidende aber ist: Nun kann ich meine aktuellen Antworten direkt mit denen vom Vorjahr vergleichen und dabei wird einem auch bei diesem „Tagebuchschreiben für Eilige“ so manches klar. Denn aus den kleinen Alltagsschnipseln ergibt sich rückblickend das Leben. Wie man sich verändert hat, so wie die Antwort auf die gleiche Frage sich gewandelt hat. Wo man im letzten Jahr war – emotional und tatsächlich. (New York! ) Die wenigen Zeilen reichen erstaunlicherweise aus, um Erinnerungen wachzurütteln. Man merkt beim erneuten Lesen, dass einiges im Wandel war und ist, andere Dinge  aber „stocken“  oder schon vor einem Jahr genervt haben.

Für mich ist das „5-Year Journal“ für den Moment genau das Richtige, um die liebgewonnene Beschäftigung des Tagebuchschreibens nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Übrigens ist die Frage für heute  im „Q&A“ ziemlich harmlos – oder vielleicht auch nicht: „Is your home/apartement clean?“ 🙂 Tja … kein Kommentar. Die Antwort kennt das Tagebuch.

5-year-journal

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6 Gedanken zu “„5-Year Journal“. Tagebuchschreiben für Eilige.

  1. Deine Erfahrungen klingen wirklich gut. Ich habe auch schon einmal mit diesem 5-Jahres-Tagebuch geliebäugelt – dachte dann aber, dass ich ja noch nicht einmal das ganz normale Festhalten von Kleinigkeiten in Tagebuchform hinbekomme. 😉 Vielleicht versuche ich ja noch einmal einen Neustart… 🙂 lg

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