Hey Turm! Ich wollte noch „Tschüss“ sagen.

Am Sonntag, den 2. Februar 2014 wird in Frankfurt der AfE-Turm der Uni Frankfurt gesprengt. Es handelt sich dabei um die bis dato größte Sprengung eines Gebäudes in Europa. Time to say goodbye.

Eine Zeit lang spielte sich ein wichtiger Teil meines Lebens zwischen dem AfE-Turm (allseits unter Studenten nur als „Turm“ oder „hässlicher Turm“ bekannt), dem Slawistik-Gebäude in der Dantestraße, dass vor einigen Jahren abgerissen wurde, und dem schicken und schönen Uni-Campus Westend ab, der jedes Jahr weiter wächst. Eine Zeit, die ganz ironiefrei als grandios in meinem Gedächtnis abgespeichert bleiben wird. Eine Zeit voller neuer Ideen, neuer Menschen und Bücher. Eine Zeit, die jedoch keineswegs ohne Ängste vor der Zukunft einherging und der üblichen Frage der Anderen: „Oh Gott, was wird man denn als Geisteswissenschaftler?“ Das wusste ich damals auch noch nicht so genau. Aber mit der Karriere als Taxifahrerin würde es mit so einem schlechten Orientierungssinn wie dem meinem auf jeden Fall nichts werden, so viel war mir klar. Egal. Ich wollte das studieren wofür mein Herz brannte. Ich habe es nie bereut.

Das Positive beim Studium überwog. Es überwog in großen Wellen. Es gab Vorlesungen – auch im Turm – die schlichtweg meine Gehirnzellen zum Glühen und Blühen brachten. Meine erste Veranstaltung an der Uni fand tatsächlich im Turm statt, auch wenn dort „nur“ mein Nebenfach seine Heimat hatte. Zum Glück war die Vorlesung im ersten Stockwerk, denn die Aufzüge tendierten gerne dazu auf sich warten zu lassen. Und am ersten Tag hatte ich noch nicht die Gelassenheit mir selbst zu sagen: „Ach ja, dann komm ich halt später.“

Die kuriose Aufzugsituation führte dazu, dass ich das Treppenhaus, des 116 Meter hohen Turmes, vollgesprüht mit Graffiti und Parolen, im Laufe der Jahre sehr gut kennenlernte. Schon damals sah der Turm aus als würde er bald abgerissen oder gesprengt werden. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so lange dauern würde.

Aber so hässlich der Turm selbst ist/war und so sehr ich und Andere darüber gemotzt haben, so spektakulär war sein Blick von Oben. Und beim Warten auf den Termin beim Prof oder das nächste Seminar konnte man die Aussicht auf die Stadt genießen und sich ein bisschen darin verlieben.

Was bleibt mir also an Erinnerungen an den Turm?  Ich erinnere mich an einen Schwarz-Weiß-Film über Skinner und seine Tauben im fensterlosen Hörsaal. Wie ich dort auch heimlich „Fleisch ist mein Gemüse“ unter der Bank gelesen habe wie ein Schulmädchen, weil ich Sehnsucht nach dem Freund hatte, der mir das Buch empfohlen hat. Ich erinnere mich an meine feuchten Hände bei Referaten über „Textverständlichkeit“ und „Freundschaft“ und das gute Gefühl danach. Ich erinnere mich an Lehramt-Studenten, die während ihres Vortrags uns andere Studenten bereits wie Schüler behandelt haben („Spuck den Kaugummi aus!“) und wie blöd ich das fand („Vergiss es.“) Ich erinnere mich an eine laue Sommernacht und eine Party im Turm, Lachen, Musik und die Wärme auf der Haut. An grausige Termine im Prüfungsamt, direkt im Schatten des Turmes und wie ich dort aufgeregt meine Urkunde am „letzten Tag“ abgeholt habe und dachte: „Das war‘s jetzt also? Ernsthaft? Wo ist mein Konfetti?“

Das hört sich nostalgisch an. Aber ich trauere Dir nicht nach, Turm. Es ist okay, dass Du gehst. Ich fand Dich und Deinen Brutalismus-Baustil nie schön und Du warst manchmal wirklich eine Zumutung. Die vielen Erinnerungen bleiben ja doch, auch wenn Du in tausend Stücke zerfällst. Kawuuum. Tue niemand weh bei deinem letzten Abenteuer.

Advertisements

Short John Silver

Ich glaube sein Name ist Short John Silver. Jeden Abend zwischen Montag und Freitag wartet er auf mich auf der Rolltreppe an der U-Bahnstation. Geduldig, recht schweigsam und sehr zuverlässig. Er ist die erste Person, die mich nach einem Arbeitstag begrüßt. Ohne Worte.

Leicht melancholisch schaut er mich mit seinem einen Auge an. Das zweite wird verborgen durch eine Augenklappe. Der Großstadtpirat wirkt schüchtern und doch sagt mir etwas, dass er eigentlich sehr verwegen ist.

„P.Y.C.“ steht auf seiner roten Jacke. Was das wohl zu bedeuten hat? Ist das der Name seines Heimathafens oder seiner persönlichen „Black Pearl“? Einmal als wir für einen Augenblick allein sind, streckt er sich aus seinem engen Rahmen und flüstert mir erst leise dann laut ins Ohr: „Pop your colour. Pop your colour! Arrr!“ Dann zwinkert er mir mit seinem einem Auge verschwörerisch zu, was ebenso seltsam wie charmant aussieht. Ich versuche seinen Rat zu beherzigen.

Zuhause frage ich mich: Wenn ich Mitten in der Nacht aufstehen würde, um zu schauen ob er noch da ist, wäre er es? Ich glaube nicht. Sicherlich trommelt er Nacht für Nacht seine verschworene Mannschaft zusammen und plant irgendwo in einem verborgenen Winkel den nächsten großen Coup. Die kleine große Stadt birgt viele verborgene Schätze in sich, die erobert und entdeckt werden wollen.

Ich bin mir sicher: Short John Silver ist genau der richtige Pirat dafür.

 pyc_bornheim2014-01-13 19.46.02

Happy Birthday, Haruki Murakami!

Heute feiert Haruki Murakami, einer meiner absoluten Lieblingsautoren, seinen 65. Geburtstag! In der aktuellen Ausgabe des Magazins „DIE ZEIT“ findet sich eines der seltenen Interviews mit dem scheuen Autor, dass ich voller Neugier gelesen habe. Ein sehr interesantes Gespräch.

Besonders gut hat mir Murakamis Antwort auf die Frage „Wie geht es Ihnen, wenn sie schreiben?“ gefallen. Er sagte:

„Schreiben ist für mich der Sinn des Lebens. Durch das Schreiben ist mein Leben etwas Besonderes geworden. Mein Schreibtisch ist das, was für Clark Kent die Telefonzelle ist: Hier verwandle ich mich in Superman. Beim Schreiben kann ich alles tun, was ich will. Ich habe keine Angst mehr. Aus der Vorstellungskraft kann ich alles schöpfen. Beim Schreiben kann ich die Welt retten. Aber sobald ich den Schreibtisch verlasse, verwandle ich mich wieder in Clark Kent zurück.“

(Zitat aus: DIE ZEIT, 9. Januar 2014, Nr. 3, Seite 38.)

2014-01-12 15.11.33

Von allen guten Geistern … gefunden!

Am Dienstagabend erreichte mich plötzlich folgende Nachricht von WordPress: „Your stats are booming! Seems like Sputnik Sweetheart is getting lots of traffic.“ Was ist geschehen? Ich hatte noch nicht einmal einen neuen Blogpost veröffentlich und plötzlich tümmeln sich so viele Besucher aus aller Welt auf meinem kleinen Blog. Ich bin natürlich begeistert!

Ein Blick in meinen privaten Facebook-Newsfeed bringt zufällig die Erklärung mit sich. Mein Blogbeitrag „Frankfurt, Stadt der Geister“, über die fabelhaften „Kleckse“ des Streetartist Spot, die das Stadtbild von Frankfurt so sehr verschönern, wurde auf seiner (?) Facebook-Seite „Cool Ghosts“ geteilt. Als „Geisterjägerin“ bin ich natürlich Fan der Seite. Ich kann gar nicht aufhören zu lächeln.

Die Geister der Stadt, nach denen ich immer Ausschau halte, haben diesmal mich gefunden. Ich finde es wundervoll. Danke ihr guten Geister! Danke fürs Vorbeischauen, Lesen und Teilen. You just made my day!

FB_Post_Cool Ghots