Haruki Murakami: „Blinde Weide, schlafende Frau“

In den letzten Monaten habe ich einige Romane gelesen. Tolle Bücher waren dabei, die ich nicht missen möchte. Aber nach einer gewissen Zeit mit den „großen“ Geschichten, sehne ich mich immer nach den „kleinen“, nach Kurzgeschichten. Ich bin ein Fan dieser Gattung und wundere mich immer, dass heutzutage, wo die Zeit für die Lektüre immer knapp ist, nicht mehr Short Stories gelesen werden. Vielleicht liegt es  daran, dass Kurzgeschichten mehr Aufmerksamkeit vom Leser verlangen als ein Roman. Pauschalisieren möchte ich das nicht, aber im Roman kannst Du einen Satz überlesen, eine Seite überfliegen und wirst dem Inhalt trotzdem meistens ohne Probleme noch folgen können. Eine Kurzgeschichte braucht Deine volle Konzentration. Jeder Satz des kurzen Textes besteht darauf.  Und wenn sie gut sind, haben sie absolut recht mit dieser Forderung.

Einige solcher Kurzgeschichten finden sich im Buch „Blinde Weide, schlafende Frau“ von Haruki Murakami, dass aktuell meinen Durst nach den „kleinen“ Stories stillt. Und so wie es mir geht mit dem Lesen, geht es Murakami mit dem Schreiben: „Habe ich einen Roman abgeschlossen, dann merke ich, dass ich ein paar Kurzgeschichten schreiben möchte; und wenn ich eine Gruppe von Kurzgeschichten beendet habe, wächst in mir der Wunsch, mich wieder auf einen Roman zu konzentrieren.“ Aus einigen seiner Short Stories hat er später seine Romane entwickelt. So wird Fans von Murakami-Romanen nicht ohne Grund die eine oder andere Geschichte aus der Sammlung bekannt vorkommen.

Murakami ist für mich ein wundervoller Autor. Seine Geschichten erzählen in einem ruhigen Fluss Unglaubliches und geben mir immer Rätsel auf. Sie sind voller Leerstellen und Merkwürdigkeiten. Sie sind komplex, aber nicht in Bezug auf die Sprache, sondern ihre Bedeutung. Im Grunde birgt jede von Murakamis Kurzgeschichten aus diesem Buch für mich ein faszinierendes Geheimnis in sich. Manche davon kann ich lösen. Wobei die vermeintliche „Lösung“ ganz sicher je nach Leser varriert. Einige  bleiben für mich jedoch unerklärlich und mysteriös. Wenn Du zu z.B. glaubst zu verstehen, warum die  Geschichte „Das New Yorker Mienenunglück“ so ist wie sie ist oder worum es im Grunde darin geht, sag mir unbedingt bescheid. 🙂 Das wird ein interessantes Gespräch.

Blinde Weide, schlafende Frau

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2 Gedanken zu “Haruki Murakami: „Blinde Weide, schlafende Frau“

  1. Ich liebe ja bisher vor allem die Romane Murakamis, insbesondere „1Q84″… vielleicht sollte ich es zwischendurch aber auch mit seinen Kurzgeschichten versuchen 😉 ? Im Grunde mag ich Short Stories sehr gern, aber du hast recht, sie sind ein wenig unbeliebt …
    LG aus Berlin!

    • Oh ja, die Romane von Murkami liebe ich auch sehr. Die Kurzgeschichten kommen nicht ganz ran, keine Frage, aber zwischendrin sind sie tolle „literarische Leckerbissen“. 🙂
      Meine Lieblings-Kurzgeschichte von Murakami ist „Frosch rettet Tokyo“. Die kann ich Dir wärmstens empfehlen. 🙂 Liebe Grüße aus dem schwülen Frankfurt

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