LitBlog Convention 2016 in Köln – mein Rückblick

Für interessante Begegnungen der literarischen Art ist mir kein Weg zu weit und der nach Köln schon gar nicht. Also bestieg ich Anfang Juni zusammen mit Isabella von novellieren den Zug von Frankfurt nach Köln, um an der ersten LitBlog Convention teilzunehmen – einer Bloggerkonferenz, die gemeinsam von den fünf Kölner Verlagen DuMont Buchverlag, DuMont Kalenderverlag, Kiepenheuer & Witsch, Bastei Lübbe und Egmont LYX/INK organisiert wurde. Im imposanten Gebäude von Bastei Lübbe trafen ca. 150 Bloggerinnen und Blogger sowie die Mitarbeiter der Verlage aufeinander, wobei letztere zuvor in monatelanger Planung ein abwechslungsreiches, literarisches Programm  zusammengestellt haben.

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Willkommen auf der LitBlog Convention in Köln

Was steht auf dem Programm?

Nach einer Begrüßung hatte jede(r) TeilnehmerIn die Möglichkeit an bis zu vier ca. 45-minütigen Workshops mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten teilzunehmen, bei der AutorInnen, ÜbersetzerInnen, IllustratorInnen, VerlegerInnen, VerlagsmitarbeiterInnen und andere Köpfe der Literaturszene als Speaker auftraten. Es fanden immer vier Veranstaltungen parallel statt. Ich hatte mir schon vorab meine favorisierten Sessions rausgesucht und glücklicherweise in jedem Workshop noch einen freien Platz für mich gefunden.

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Autoren im Gespräch: Jan Brandt, Isabel Bogdan, Frank Schätzing

Workshops mit Jan Brandt, Frank Schätzing und Isabel Bogdan

Unter dem Motto „Die vielleicht wahnsinnigste Metropole der Welt – Literarischer Städtebau“ sprach Autor Jan Brandt mit Lektor Jan Valk über sein im September 2016 erscheinendes Buch „Stadt ohne Engel. Wahre Geschichten aus Los Angeles“ (DuMont), aus dem er hier auch erstmals öffentlich vorlas.

Bestseller-Autor Frank Schätzing und sein Verleger Helge Malchow von Kiepenheuer & Witsch fragten sich hingegen bei einer weiteren Session „Gibt es ein Rezept für Bestseller?“, bei der der Autor verriet, dass die Idee für „Der Schwarm“ ihm im Traum gekommen sei, in dem er über den Ozean schwebte und einen Schwarm von Fischen sah.

Die wunderbare Autorin, Übersetzerin und Bloggerin Isabel Bogdan sprach mit Lektorin Helga Frese-Resch von Kiepenheuer&Witsch im Workshop mit dem Titel „Mit anderen Worten“ über die Arbeit als Übersetzerin und die Frage: Woran erkennt man eine gute Übersetzung? („Eine gute Übersetzung ist ein guter deutscher Text.“) Ein sehr inspirierendes Gespräch, bei dem Bogdan feststellte, dass in Rezensionen oft vergessen wird die Leistung der Übersetzungen zu würdigen. Seltsam, schließlich „hört“ man bei literarischen Übersetzungen nicht den Originalton des Erzählers sondern den des Übersetzers. Wenn man also die Sprache des übersetzten Textes lobt, sollte man den Übersetzer nicht ignorieren. Besonders schön fand ich Bogdans Gedanken, dass ein Übersetzer so manches mit einem Schauspieler gemeinsam hat: Er legt seine Seele in den Text  und kann das Beste aus einem schlechten Text rausholen oder eben andersherum, wenn es schief geht.

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Anette Weber & Ursula Gräfe

Wonach riecht Murakami? Gespräch mit Übersetzerin Ursula Gräfe

Und dann gab es noch den Workshop mit dem merkwürdigen Titel „Wonach riecht Murakami?“ – einer Anspielung auf den Vorwurf einiger (japanischer) Literaturkritiker an den Autor Haruki Murakami, seine Texte „riechen nach Butter“, also nach dem Westen oder seien gar „geruchlos“. Die fabelhafte Übersetzerin von Murakami (vom Japanischen ins Deutsche) Ursula Gräfe und die Lektorin bei DuMont Annette Weber fragten sich im Workshop: Wieviel hat dieser Vorwurf möglicherweise auch mit den Übersetzungen der Romane zu tun?

Der Workshop begann mit einem Videoeinspieler aus dem Jahr 2000. Einem Ausschnitt aus dem legendären „Literarischen Quartett“, bei dem ein unerbittlicher Streit über Murakamis Roman „Gefährliche Geliebte“ ausbrach, der schließlich sogar zur Auflösung des Quartetts führte. Während Marcel-Reich Ranicki und Hellmuth Karasek sich absolut begeistert zeigten von dem Werk („Das Buch ist von ungewöhnlicher Zartheit!“, Zitat Ranicki.) bezeichnete Siegrid Löffler den Roman als „literarischen Fastfood“ und bemängelte seinen sprachlichen Stil. Im Rahmen der Sendung wurde ebenfalls thematisiert, dass der Roman nicht besonders „japanisch“ wirke und der nicht ganz stimmige Ton möglichweise etwas damit zu tun habe, dass der Text aus dem Amerikanischen und nicht dem Japanischen übersetzt wurde – somit die Übersetzung einer Übersetzung sei. Vielleicht hatte Frau Löffler daher in puncto Sprache und Stil doch den richtigen Riecher gehabt, stellte Ursula Gräfe nach dem Clip fest.

Der Ruf nach einer Neuübersetzung wurde lauter. 2013 übertrug Ursula Gräfe daher den Text aus dem Japanischen ins Deutsche, unter dem Titel „Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ und gab ihm einen neuen Sound, der von dem ersten Übersetzung abwich. Zuvor hatte man nahezu alle Texte von Murakami („Mister Aufziehvogel“ gehört nicht dazu) von Ursula Gräfe aus dem Japanischen übersetzen lassen – mit großem Erfolg. Denn Gräfe hat meiner Ansicht nach, einen unvergleichlichen Erzählstil geschaffen, der eine magisch-ruhige Atmosphäre beim Lesen heraufbeschwört, einen großen Wiedererkennungswert hat und der mitverantwortlich ist, für den großen Sog den Murakamis Bücher auf mich ausüben.

Wir verglichen im Workshop  Passagen aus der neuen und alten Übersetzung und waren erstaunt über die großen Unterschiede, die sich nicht unwesentlich daraus ergaben, dass der „alte“ Text an vielen Stellen „einamerikanisiert“ wurde – ein nicht unübliches Vorgehen, um einen Text für den amerikanischen Markt leichter „verdaulich“ zu gestalten, z. B. durch Weglassungen und Anpassungen. Diese fanden somit auch in der ersten, deutschen Übersetzung Einzug in den Text. Ursula Gräfe erläuterte hingegen wie viel Wert sie darauf lege, den subjektiven Stil des Autors auch bei der Übersetzung zu erhalten.

Sputnik auf Twitter    Man muss die Stimme eines Autors beim Übersetzen bewahren.   lbc16 Spannendes Gespräch mit U. Gräfe   A. Weber  Murakami

Das sei bei einer Übertragung aus dem Japanischen, aber wahrlich keine sehr leichte Aufgabe. Da die Sprachen Deutsch und Japanisch sehr unterschiedlich „funktionieren“, versucht sie vor allem auch die Atmosphäre eines Buches bei der Übersetzung einzufangen. Aktuell arbeitet Ursula Gräfe, so plauderte Sie aus dem Nähkästchen, an der Übersetzung eines neuen Murakami-Romans, der voraussichtlich 2018 erscheinen wird. (Ich kann es nicht erwarten!)

Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich begeistert war von dieser ersten LitBlog Convention. Ich empfinde es als sehr positive Entwicklung, dass Literaturblogger, Verlage und Literaturschaffende im Rahmen einer solchen Veranstaltung nicht nur virtuell sondern auch ganz buchstäblich näher rücken, sich gegenseitig inspirieren, sich vernetzen und Aufmerksamkeit schaffen für das Wahre, Schöne, Gute: für die Literatur, in all Ihren Facetten.

Wenn Ihr noch einen Eindruck in bewegten Bildern von der LitBlog Con haben möchtet, das Veranstaltungsteam hat einen eigenen filmischen Rückblick kreiert. Film ab!

Ode an Frankfurt. Graffiti an der Kleinmarkthalle

Graffiti-Kleinmarkthalle-Frankfurt am MainDas zweitlängste* Graffitis Frankfurts wurde im April 2016 enthüllt. Es befindet sich an der Kleinmarkthalle in der Innenstadt und zeigt vieles was Frankfurt ausmacht „im Schnelldurchlauf“: vom Ebbelwoiexpress bis zur Grünen Soße.

Der Schriftzug „Frankfurt“ steht in der Mitte, eingerahmt von Heinz Schenk und Goethe. Jeder Buchstabe steht symbolisch und gestalterisch für etwas typisch frankfurterisches: den Frankfurter Zoo, den Bembel, den Römer, den Palmengarten, den Frankfurter Kranz, das Senkenbergmuseum, den Flughafen, die Frankfurter Rundschau und die Europäische Zentralbank. Dem eigentlich häßlichen Parkplatz und Hinterhof wurde so eine Seele geschenkt – bunt, vielfältig  und voller Liebe für die Stadt am Main.

Graffii-Kleinmarkthalle-Frankfurt am Main-Grüne Soße_Fotor

Frankfurter-Adler-Kleinmarkthalle

*Das längste Graffiti Frankfurts befindet sich übrigens am Busbahnhof am Frankfurter Flughafen und wurde von Bomber gestaltet. Bilder dazu kann man im Blog „Stadkind FFM“ bewundern. Danke für den Hinweis Stadtkind.

Auf den Spuren von Nessie – ein Reisebericht

So schön Frankfurt auch ist, ich liebe es zu verreisen. Vor kurzem zog es mich nach Schottland und ich begab mich auf die Spuren des Ungeheuers von Loch Ness. Über meine Reiseerfahrungen berichtete ich in einem Gastbeitrag im Blog von Loch Ness bei Jacobite (in Englisch und Deutsch) –  den ich auch gerne auf meinem Blog teile:

Edinburgh_view  Calton Hill

Alle haben gesagt, es würde regnen in Schottland. Als ich das Flugzeug von Frankfurt am Main nach Edinburgh bestieg, war ich bestens ausgerüstet mit Regenjacke und Schirm – für alle Fälle. Dennoch war mir von vornherein klar, dass mir ein paar Regentropfen, die lang ersehnte Reise nach Schottland nicht verderben würden. Ich bin ja nicht aus Zucker! Und doch sollten alle Unrecht behalten. Denn Edinburgh begrüßte mich mit strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen, die sich auch den Rest des Aufenthaltes halten sollten.

Ich verliebte mich sofort in Edinburgh, die Atmosphäre, Architektur und die kleinen, geschichtsträchtigen Gassen, die „Closes“ genannt werden. Ich erkundete das Edinburgh Castle und warf einen Blick auf die Kronjuwelen Schottlands, bestieg tapfer Arthurs Seat und wurde mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt, begab mich unter die Stadt im Mary King‘s Close und trank schottisches Bier im Pub „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“. Das Pub in der New Town huldigt mit seiner, an ein altes Labor erinnernden Einrichtung und den hinter einem Bücherschrank versteckten Toiletten, dem literarischen Helden Dr. Jekyll aus Robert Louis Stevenson Klassiker.

Writers Museum Edinburgh

Natürlich konnte ich mir als großer Bücherfan einem Besuch im Writers Museum nicht entgehen lassen, in dem sich interessante Exponate aus dem Leben der zwei großen Edinburgher Dichter Stevenson und Walter Scott befinden. In dem Museum stieß ich auch auf ein Zitat Stevensons, dass nicht nur seine, sondern auch meine Reiseleidenschaft gut beschreibt: „For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel’s sake. The great affair is to move.” Und ich wollte mich bewegen  – noch weiter in das Landesinnere, auf die Spuren des sagenhaften Ungeheuers von Loch Ness.

Ein Highlight meines Aufenthalts in Schottland stellte  die Busreise mit den Timberbush Tours dar, die mich nach Loch Ness bringen sollte, wo ich mit  Loch Ness by Jacobite eine  Rundfahrt auf dem See erleben sollte.

Eine Strecke von insgesamt 600 km lag vor mir, als ich morgens, an einem schönen Tag im Mai, den Bus bestieg und sogleich von unserem Guide Paul begrüßt wurde, der mit seinem sonnigen Gemüt nicht nur für gute Laune während der Reise sorgte, sondern allen Reisenden auch sehr unterhaltsam jede Menge wissenswerter Informationen und spannender Geschichten vermittelte – z. B. über Legenden der schottischen Geschichte, wie William Wallace, Rob Roy oder auch Maria Stuart, die Königin von Schottland. Von ihm lernte ich auch, dass „Loch“ das gälische Wort für See ist, dass ein „Glen“ ein Tal ist, „Ben“ ein Berg und „Dun“ eine Burg. Gut zu wissen, wenn man in Schottland ist.

Paul Timberbush Tours

Unsere Reise führte uns vorbei an Stirling und dem Doune Castle, in dem in der Vergangenheit auch Dreharbeiten zu der Serie Game of Thrones stattgefunden haben. In Kilmahog machten wir einen kleinen Zwischenstopp und hatten unsere erste Begegnung mit Schottischen Hochlandrindern.

highland cow_

Wir fuhren durch eine Landschaft, die geprägt ist durch dichte Wälder, aufragende Gipfel und zahlreiche Seen, vorbei am Rannoch Moor bis zum Glancoe. In dem berühmten Tal der schottischen Highlands, machten wir Halt, um Fotos zu machen von dem berühmten Gebirgszug, den sogenannten „Drei Schwestern“ und die beeindruckenden Aussichten in uns aufzusaugen.

Glencoe

Unser Mittagessen nahmen wir ein in der Stadt Fort William (es gab Haggis!), die am Ufer des Loch Linnhe liegt, bevor wir weiterreisten zum höchsten Berg Großbritanniens Ben Nevis, ein Name der übersetzt etwa „Berg mit dem Kopf in den Wolken“ lauten könnte, wie der fachkundige Paul verriet. Vorbei an der Stadt Fort Augustus, die am südlichen Ende von Loch Ness liegt, eröffneten sich uns nun erste Einblicke auf den sagenumwobenen See Loch Ness.

Loch Ness

Der langgezogene See ist etwa 37 km lang, aber nur 1,5 km breit. Er ist nach Loch Lomond der zweitgrößte See Schottlands, hat aber aufgrund seiner Tiefe das größte Wasservolumen aller schottischen Seen. (Der tiefste See ist allerdings Loch Moror, wie uns Paul aufklärte.)

Wir haben eine Fahrt auf dem „Loch Ness by Jacobite“-Schiff unternommen und ich kann sie jedem Besucher des Sees wärmstens empfehlen, um in die dunklen Tiefen des Sees zu blicken und die herrliche Landschaft drum herum in seiner vollen Schönheit wahrzunehmen.

Jacobite cruise

Vielleicht löst die Tiefe des Loch Ness in den Menschen das Gefühl aus, irgendetwas Fremdes, Unheimliches lebe in den Gewässern – ein Seeungeheuer! Das glaube ich natürlich nicht, aber Loch Ness bietet seinen Besuchern ungeheuerlich schöne Aussichten und ist ein Beispiel dafür, welch große Kraft Geschichten haben können, wie sie sich mit den Jahren weiterentwickeln und ihrer jeweiligen Zeit anpassen. Denn es gibt vielleicht durchaus Touristen, die Loch Ness vor allem einen Besuch abstatten in der Hoffnung einen Blick auf das Ungeheuer mit dem Namen Nessie zu erhaschen. Ich kann sagen, Loch Ness ist selbstverständlich auch ohne Nessie jede Reise wert – aber die Vorstellung eines Ungeheuers in den Tiefen des Sees ist sehr schmackhafte Nahrung für die Phantasie.

Urquhart Castle

Am Loch Ness gelegen ist außerdem die beeindruckende Burgruine von Urquhart Castle, die wir ebenfalls besichtigt haben. Über ihre wechselvolle und spannende Geschichte kann man sich im dazugehörigen Besucherzentrum informieren.

Auf dem Rückweg nach Edinburgh, passierten wir die Stadt Inverness, die Hauptstadt der schottischen Highlands und machten einen letzten kurzen Stopp in der hübschen, viktorianisch geprägten Stadt Pitlochry. Die Reise nach Loch Ness samt Schifffahrt war ein wunderbares Erlebnis – nicht nur wegen der vielen großartigen Orte, die wir besucht haben, sondern auch wegen unseres kompetenten und liebenswürdigen Guides Paul, der jeden Ort mit seinen Erzählungen für uns noch lebendiger gemacht hat. Danke!

„Um es kurz zu machen“ von Meike Winnemuth

Vor einigen Monaten war ich auf einer Lesung im Hafen 2 in Offenbach. Die Autorin und Journalistin Meike Winnemuth las dort aus ihrem neuen Buch „Um es kurz zu machen“ vor – einer Sammlung ihrer Kolumnen der letzten Jahre.

Ich kannte das Buch noch nicht, wollte mir die Lesung aber auf keinen Fall entgehen lassen, denn ich war hin und weg gewesen von Winnemuths letztem Buch mit dem Titel „Das große Los“. Dabei handelt es sich um eine Art autobiographisches Reisetagebuch. Meike Winnemuth hatte bei „Wer wird Millionär“ 500.000 Euro abgeräumt. Mit diesem Geld verwirklichte sie sich einen Traum. Sie lebte ein Jahr lang, je einen Monat in einer anderen Stadt der Welt und schrieb darüber. Ich folgte Meike Winnemuth Buchstabe für Buchstabe nach Sidney, Hawaii oder San Francisco und war begeistert von diesem klugen, lustigen, originell erzählten und inspirierenden Buch. Danach hätte ich am liebsten selbst sofort eine Weltreise gebucht. Das ging zwar nicht, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und eins war klar: Diese Autorin hatte mein Leserherz im Sturm erobert.

Meike Winnemuth_Um es kurz zu machen

Die Lesung im Hafen 2 war ein voller Erfolg. Meike Winnemuth war auf der Bühne genau so sympathisch und humorvoll wie in ihrem Buch und das Publikum: begeistert. Sie las einige ihrer Kolumnen vor, beantwortete dann charmant alle Fragen aus dem Publikum und signierte im Anschluss ihre Bücher. Ich ging bestens gelaunt nach Hause und beschloss nun auch ganz bald „Um es kurz zu machen“ zu lesen.

Die rund 70 im Buch enthaltenen Kolumnen sind zuvor in Zeitschriften oder Magazinen erschienen, wie der Süddeutschen oder dem Stern. Im Buch wurde der Versuch unternommen sie in acht thematische Kategorien einzuteilen, wie z. B. „Lieben“, „Hassen“, „Ausprobieren“, „Einsehen“. Es sind kurzweilige und, wie es Kolumnen so an sich haben, persönliche Texte über das Leben, über Alltägliches und Besonderes.

Kleine Kostprobe gefällig? Eine meiner Lieblingskolumnen heißt „Ist mir egal, ich lass das jetzt so“. Meike Winnemuth beschreibt hier wie befreiend es ist, sich im Prozess des Äterwerdens von dem Selbstoptimierungswahn der jungen Jahre zu lösen, den Bemühungen, endlich ein verantwortungsbewusstes Erwachsenenleben zu führen, ein rückenmuskeltrainiertes, steueroptimiert angelegtes, life-work-balanciertes, vor Mitternacht ins Bett gegangenes Spitzenleben […] Das kriege ich nicht mehr hin, so ein Prachtexemplar der Menschheit zu werden. War ‘ne bescheuerte Idee von Anfang an.[…] Stattdessen: Schnapsideen! Befreiungsschläge! Unverantwortliche Kurswechsel!“ Sehr amüsant und wohltuend. Oder die Kolumne mit dem Titel „Osnabrück“, in der Winnemuth eine Anekdote aus ihrem Leben erzählt, von einem Treffen mit einer völlig fremden Leserin und dabei nebenbei ein leidenschaftliches Plädoyer rausschlüpft für mehr Wagnisse, mehr Vertrauen in (fremde) Menschen und gegen die ständige Frage „Was springt für mich dabei raus?“, bei allem was man so treibt.

Die kurzen Kolumnen versüßen dem Leser, mit ihrer optimistischen Leichtigkeit und ihrem Scharfsinn und Witz, definitiv den Tag. Der authentische Stil der Autorin, die Themen gerne kurz, knapp aber treffend auf den Punkt bringt, finde ich ausgezeichnet. Mich hat diese Kolumnensammlung zum Schmunzeln, zum Lachen, zum Nachdenken gebracht. Meike Winnemuths neugieriger Blick auf die Welt und ihre Lebensfreude sind zudem einfach ansteckend. Eine empfehlenswerte Lektüre.

Um es kurz zu machen. Von dem unverschämten Glück auf der Welt zu sein
Meike Winnemuth
Knaus, August 2015
206 Seiten
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag € 16,99

Das Buch wurde mir freundlicherweise kostenlos vom Knaus Verlag zur Verfügung gestellt. Der Beitrag spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.